Parship Studie: Nach der Quarantäne – so ist der Status quo in deutschen Beziehungen

25.06.2020 Jana Bogatz

Parship Studie zeigt: Die Paarantäne hat nicht jeder Beziehung gut getan. Besonders die vermehrte Zeit zu zweit führte zu Streit. Doch es gibt auch Hoffnung: Ein Drittel der Deutschen weiß den Partner nun mehr zu schätzen.

Hamburg,

Auch wenn langsam wieder etwas Normalität zurückkehrt, die letzten Wochen haben bei fast jedem – ob alleinstehend oder vergeben – zu einer Veränderung des gewohnten Lebens geführt. Wie genau sich der Lockdown und die Zeit in Paarantäne aber auf deutsche Beziehungen ausgewirkt haben, zeigt eine aktuelle Umfrage der Online-Partnervermittlung Parship (www.parship.de) unter rund 1.000 Bundesbürgern. Vorab: Es ist nicht alles schlecht. Gut jede dritte Beziehung geht gestärkt aus der Krise hervor. 34 Prozent der vergebenen Deutschen sind überzeugt, dass ihre Partnerschaft in den vergangenen Wochen intensiver und besser geworden ist. Besonders Paare, die nicht in einem Haushalt leben, haben durch die Corona-Maßnahmen positive Veränderungen in ihrer Beziehung festgestellt (40 Prozent). Trotz Ausgangsbeschränkungen und Co. war in deutschen Betten keineswegs Social Distancing angesagt: Rund ein Fünftel der Vergebenen hatte in den vergangenen Wochen mehr Sex (19 Prozent). Speziell bei den Jüngeren (45 Prozent) und nicht zusammen lebenden Befragten (32 Prozent) ging es öfter heiß her als sonst.

Nicht jeder schwebt derzeit auf Wolke sieben

Etwas anders sieht es hingegen in jeder fünften Beziehung aus: Für 19 Prozent der vergebenen Deutschen waren die letzten Wochen eine echte Belastungsprobe. 15 Prozent kämpfen momentan sogar mit mehr Beziehungsproblemen als vor der Corona-Pandemie. Bei sechs Prozent der Beziehungen wurde während der letzten Zeit die Pause-Taste gedrückt. Unter der veränderten Situation haben insbesondere die Beziehungen der jüngeren Bundesbürger gelitten (Beziehungsprobleme: 22 Prozent; Beziehungspause: 9 Prozent). Stopp, es geht nicht mehr hieß es in den vergangenen Wochen bei knapp jeder zehnten Partnerschaft (9 Prozent). Vor allem die Liebe der Deutschen zwischen 18 und 29 Jahren ist an der Ausnahmesituation zerbrochen (15 Prozent). Immerhin vier Prozent der Befragten wollen ihre Beziehung aber noch nicht aufgeben und sich professionelle Hilfe holen.

Streit und fehlender Freiraum stellten Beziehungen auf die Probe

Da können die eigenen vier Wände noch so gemütlich sein: Die aufgezwungene Zeit zu zweit hat bei 40 Prozent der vergebenen Befragten den Wunsch nach mehr Freiraum aufkommen lassen. Vor allem die älteren Deutschen hätten sich mehr Zeit allein gewünscht (47 Prozent). Wer mehr aufeinanderhockt, gerät auch häufiger aneinander: Bei 30 Prozent der Pärchen kam es des Öfteren zu Streit. Dabei krachte es wiederholt insbesondere bei den jüngeren Deutschen (43 Prozent) und jenen, die eine berufliche Veränderung erfahren haben (35 Prozent).

Paarberater und Parship-Coach Eric Hegmann sagt: „Kann man sich nicht aus dem Weg gehen, werden mangels Fluchtmöglichkeit aus unterschiedlichen Bedürfnissen rasch eskalierende Konflikte. Der Respekt vor der Andersartigkeit des Partners schwindet dann ebenso rasch wie der Optimismus für die Beziehung. Viele Probleme sind auch gar nicht lösbar, so dass beide gleichermaßen zufrieden sind, und dann hilft der Appell: Streite mit mir so, dass ich spüre, dass du mich immer noch liebst!“

Mit Vollgas Richtung gemeinsamer Zukunft

Doch es gibt auch Lichtblicke: 36 Prozent der Vergebenen haben ihren Partner in den letzten Wochen noch stärker zu schätzen gelernt und sind dankbar, einander zu haben. Knapp einem Drittel der Paare (31 Prozent) ist durch die Corona-Krise noch einmal bewusst geworden, wie gut sie zueinander passen. Auch in Zukunft alles beim Alten heißt es in jeder dritten Partnerschaft: 30 Prozent haben ihr Beziehungsleben wie bisher fortgeführt und weder positive noch negative Veränderungen erlebt.

Lese-Tipp

Paarantäne – Was die Corona Quarantäne mit unserer Beziehung macht:

https://www.beziehungsweise-magazin.de/unterhaltung/nacktaktiv/paarantaene-was-die-corona-quarantaene-mit-unserer-beziehung-macht/

Das Ranking im Überblick

Frage: Restaurants und Geschäfte öffnen, Treffen mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts sind zunehmend wieder erlaubt, immer mehr wechseln vom Homeoffice wieder ins Büro – die Corona-Beschränkungen werden immer weiter gelockert und langsam nimmt der Alltag wieder etwas „normalere“ Formen an. Wie beurteilen Sie nachfolgende Aussagen in Bezug auf Partnerschaft und zwischenmenschliche Beziehungen auf einer Skala von 1 = „trifft voll zu“ bis 5 = „trifft gar nicht zu“?

 

Gesamt

In einer Partner-schaft Im gleichen Haushalt lebend Nicht im gleichen Haushalt lebend

18 – 29 Jahre

Top 2-Boxes (Trifft voll zu/ trifft zu)

Ich freue mich, wieder mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen zu können.

78 % 81 % 79 % 91 % 87 %

Ich habe es die letzten Wochen genossen, mehr Zeit für mich zu haben.*

48 % 52 %

Mir hat in den letzten Wochen ein Partner/in an meiner Seite gefehlt.*

42 % 58 %

Der Kontakt zu Freunden und Familie hat sich in den letzten Wochen intensiviert.*

41 % 53 %

Ich habe mich in den letzten Wochen einsam gefühlt.*

38 % 46 %

Meine Stimmung war in den letzten Wochen schlechter als sonst.

36 % 34 % 34 % 34 % 42 %

Unsere Beziehung hat sich in den letzten Wochen intensiviert und ist besser geworden.**

34 % 34 % 33 % 40 % 46 %

Mir ist oft die Decke auf den Kopf gefallen.

31 % 29 % 28 % 34 % 42 %

Nach den letzten Wochen der Quarantäne haben sich unsere Pläne, zusammenzuziehen zu wollen, konkretisiert.++

30 % 30 % 30 % 30 %

Ich werde jetzt wieder mehr daten.*

36 %

Wir hatten in den letzten Wochen mehr Sex als sonst.**

19 % 19 % 17% 32 % 45 %

Ich habe die letzten Wochen genutzt, um online nach einem Partner zu suchen.*

19 % 27 %

Die letzten Wochen waren eine ernste Belastungsprobe für unsere Beziehung.**

19 % 19 % 19 % 19 % 23 %

In den letzten Wochen hatten wir mehr Beziehungsprobleme.**

15 % 15 % 16 % 12 % 22 %

Der Wunsch, eine gemeinsame Familie zu gründen, ist bei meinem Partner und mir in den letzten Wochen gestiegen.+

12 % 12 % 11 % 14 % 15 %

n=zum Teil reduzierte Basis; *Singles; **In einer Partnerschaft; +Kinderlose Paare; ++getrennt lebende Paare

Frage: Bitte geben Sie nun an, ob die nachfolgenden Aussagen in Bezug auf Partnerschaft und zwischenmenschliche Beziehungen auf Sie zutreffen.

 

Gesamt

18 – 29 Jahre

50 – 65 Jahre

Mein Partner und ich haben uns in Zusammenhang mit Corona dazu entschieden, dass wir keine Familie gründen möchten.**

9 % 7 % 5 %

Meine letzte Beziehung hat die Corona-Krise nicht überstanden.

9 % 15 % 4 %

Mein Partner und ich haben uns in der Corona-Zeit für eine Beziehungspause entschieden.

6 % 9 % 2 %

Wegen der Corona-Krise machen (oder planen) wir gerade eine (Online-)Paartherapie, um an unserer Beziehung zu arbeiten.*

4 % 5 % 2 %

n=reduzierte Basis; Mehrfachnennungen möglich; gestützt; *In einer Partnerschaft; **Kinderlose Paare 

Frage: Sie haben angegeben, dass Ihre Beziehung unter der Ausnahmesituation der Corona-Krise gelitten hat. Was waren die Gründe?

 

Gesamt

18 – 29 Jahre 50 – 65 Jahre

Berufliche Veränderung

Wir haben uns zu wenig gesehen/ zu wenig Zeit miteinander verbracht.*

54 % 65 % 50 % 52 %

Durch die ständige Zeit zusammen hat der Freiraum in der Beziehung gefehlt.

40 % 41 % 47 % 40 %

Wir haben in den letzten Wochen (sehr) viel gestritten.

30 % 43 % 21 % 35 %

Wir hatten in den letzten Wochen kaum Sex.

27 % 21 % 29 % 25 %

Mein Partner hing die ganze Zeit am Handy.

23 % 30 % 12 % 24 %

Wir haben gemerkt, dass wir unterschiedliche Zukunftspläne haben.

18 % 25 % 14 % 21 %

Wir haben uns auseinandergelebt.

14 % 21 % 11 % 16 %

Mein Partner hat sich in den letzten Wochen gehen lassen und keinen Wert auf das Äußere gelegt.

11 % 14 % 13 % 12 %

Wir haben festgestellt, dass wir nicht zueinander passen / zu verschieden sind.

10 % 18% 6 % 13 %

Es gab Handgreiflichkeiten.

3 % 8 % 1 % 3 %

n=reduzierte Basis; nur Befragte, die sich getrennt haben, in einer Beziehungspause sind, eine Paartherapie machen oder mehr Beziehungsprobleme haben; *getrennt lebende Paare

Frage: Wenn Sie auf die letzten Wochen mit Ihrem Partner zurückblicken: Was haben Sie aus dieser Zeit gelernt?

 

Gesamt

Im gleichen Haushalt lebend

Nicht im gleichen Haushalt lebend

Wir gehen achtsamer miteinander um und sind dankbar, dass wir uns haben.

36 % 35 % 38 %

Uns ist bewusster geworden, wie gut wir zusammenpassen.

31 % 29 % 37 %

Wir haben unsere Beziehung wie bisher fortgeführt und keine negativen wie positiven Veränderungen erlebt.

30 % 32% 18 %

Wir planen mehr Zeit für besondere, gemeinsame Erlebnisse ein.

28 % 28 % 32 %

Wir müssen kompromissbereiter sein, um auf die Bedürfnisse und Wünsche beider einzugehen.

27 % 27 % 30 %

Es tut uns gut, mehr und tiefgründiger miteinander zu sprechen, um eine intensivere Verbindung zueinander aufzubauen.

25 % 23 % 36 %

Sich gegenseitig mehr Freiräume zu geben, belebt unsere Beziehung.

23 % 22 % 32 %

Wir haben Strategien entwickelt, besser mit kleinen und großen Konflikten umzugehen.

18 % 17 % 20 %

Wir haben neue gemeinsame Hobbys und Gewohnheiten entdeckt.

16 % 15 % 19 %

Unsere Beziehung hat vermutlich keine Zukunft mehr.

3 % 2 % 6 %

n=697; nur Befragte, die zurzeit in einer Partnerschaft sind; Mehrfachnennungen möglich; gestützt.

Über die Studie

Für die vorliegende Studie hat Parship gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut INNOFACT AG 1.053 Personen zwischen 18 und 65 Jahren befragt – davon 697 in Beziehung lebend. Die Stichprobe entspricht nach Alter und Geschlecht der repräsentativen Verteilung in der deutschen Bevölkerung. Die unabhängige Online-Erhebung fand im Juni 2020 statt.