Partnersuche mit Handicap: Über Besonderheiten, Wünsche & wertvolle Tipps

Der Mensch ist nicht gern allein. Das gilt auch für die rund acht Millionen Menschen, die mit einer körperlichen Beeinträchtigung in Deutschland leben. Auch
bei der Partnersuche mit Handicap haben Alleinstehende selbstverständlich den Wunsch nach Liebe, Zweisamkeit und Zärtlichkeit. Liebe mit Behinderung ist möglich keine Frage! Diese Besonderheiten und Wünsche machen Singles mit Behinderung auf dem Weg zu Ihrem Liebesglück aus.

Inhalt:

Was die Partnersuche mit Handicap auszeichnet

Partnersuche für Behinderte läuft anders – und schwieriger – ab, als bei nichtbehinderten Suchenden. Was sind die größten Unterschiede?

a) Die erste Frage: Reinen Wein einschenken?

Beim Online-Dating gibt es für Nichtbehinderte zunächst keine Einschränkung. Aber: Bei der Partnersuche mit Handicap muss als erstes entschieden werden, ob gleich mit offenen Karten gespielt wird oder nicht. „Ich bin 25, bin sportlich, gesellig, liebe Rockmusik. Bin 1,56 Meter groß, blond und: Ich sitze im Rollstuhl!“ Dazu gehört Mut. Von Ines, Single mit Handicap, stammt diese Online-Botschaft:

„Ich sehe meine Behinderung als Filter. Bei mir meldet sich wirklich nur jemand, der wirklich an mir Interesse hat. ‚Nur so zum Spaß’ nimmt mit mir kein ernsthaft Suchender Kontakt auf – dazu ist ihm doch die Zeit zu schade.“

b) „Wir hören voneinander!“ – Eben nicht!

Einschränkungen bei der Partnersuche mit Handicap sind selbstverständlich. Ein Rollstuhlfahrer kann nicht flexibel „kurz vorbeikommen“. Hier bedarf es vorher eingehender logistischer Planung. Für einen schwer Hörgeschädigten funktioniert ein erstes Date durch Telefonate nicht. Die Kontaktaufnahme wird zum überwiegenden Teil durch Textnachrichten stattfinden. Eine Verabredung mit einem Schwerhörigen macht in einer lauten Kneipe nicht wirklich Sinn.

c) Wir tasten uns vor – wörtlich

Für einen sehbehinderten Menschen bekommt dagegen der Ausdruck „Blind Date“ eine ganz andere, wörtliche Bedeutung. Digital spielen für diesen Single mit Handicap dann Sprachnachrichten und Telefonate eine große Rolle. Beim realen Kennenlernen kommen andere Sinne zum Einsatz – Tastgefühl zum Beispiel. Gerhard (45, Schwerin):

„Das muss ein Date-Partner aber auch erst mal zulassen können, dass ich ihm die Gesichtskonturen abtaste.“

d) Es lauern andere Gefahren bei der Partnersuche mit Handicap

Dass die Suche als Behinderter anders ist, treibt mitunter seltsame Blüten. Marlen (32, Düsseldorf, beinamputiert):

„Ich habe es wirklich erlebt, dass sich Männer ohne Behinderung mit mir nur treffen wollten, weil sie meine Behinderung ‚exotisch’ fanden. Das war für die wie ein Fetisch.“

Partnersuche für Behinderte: Hier werden Sie fündig!

Gegenüber den nichtbehinderten Singles hat die Partnersuche mit Handicap einen entscheidenden Nachteil: Sie sind in der numerischen Minderheit. Sucht ein Behinderter einen gleichgesinnten Partner, schränkt das das Kandidatenfeld naturgemäß ein. Doch auch für flirtwillige Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung gibt es passende Anlaufstellen.

Online-Liebe mit Behinderung: Die Qual der Wahl

Auch für körperlich beeinträchtigte Singles boomt die Online-Partnersuche. Es gibt mehrere Singlebörsen und Partnervermittlungen, die den Weg frei machen wollen zur Partnersuche mit Handicap:

  • www.gl-sh.de: Top-Portal für gehörlose und schwerhörige Singles. Toller Service – und komplett kostenlos.
  • www.handycap-love.de: Auf dem größten Portal für Singles mit Handicap in Deutschland, Österreich und der Schweiz kann man neue Freunde oder einen Partner finden. 40.000 Inserenten versuchen es. Viele Ratgeberfunktionen, für Frauen komplett kostenlos, Männer können sich kostenlos registrieren.
  • www.behinderte-dating.com: Sperriger Name, guter Service. Der allerdings, kostet. Über 6.000 aktive Nutzer aus Deutschland, auch einige tausend Mitglieder aus dem europäischen Ausland und sogar den USA sind hier auf Partnersuche mit Handicap.
  • www.flirt-projekt.de: Flirt-Projekt.de hat eine Partnerseite (flirt-projekt.com), die für HIV-Positive eingerichtet wurde. Auf beiden Seiten sind über 50.000 User registriert. Diskretion und Anonymität wird groß geschrieben. Testen geht kostenlos, unbegrenztes Kontaktieren kostet eine einmalige Gebühr.
  • www.schatzkiste-partnervermittlung.eu: Der Verein „Die Schatzkiste“ ist etwas Besonderes. 1998 wurde die erste Partnervermittlung zur Partnersuche für Behindert in Hamburg gegründet – mittlerweile gibt es über 40 „Schatzkisten“ in ganz Deutschland. Hier läuft alles unter persönlicher Anleitung und Betreuung der Mitarbeiter.

Das wünschen sich Singles auf Partnersuche mit Handicap

Gewünscht: Selbstverständlichkeit!

„Am schönsten wäre es, wenn allen Menschen, behinderten wie nichtbehinderten, die körperliche Einschränkung egal sein könnte“, sagt Vera (39), die im Rollstuhl sitzt. „Praktisch ist das aber fast unmöglich, denn eine Behinderung ist nun mal ein Behinderung auch für Singles mit Handicap. Das muss berücksichtigt werden. Es gehört dazu – aber es darf nicht im Fokus stehen.“

Alles ist möglich – auch Sex

„Wir haben dieselben Erwartungen bei der Partnersuche mit Handicap wie andere Menschen“, schildert Vera weiter. „Zuneigung, Ehrlichkeit, Respekt, Vertrauen, Liebe und Sex.“ „Auch Rollifahrer haben Sex!“ sagt Vera frank und frei. „Ich war zwar – natürlich – die letzte aus meinem Freundeskreis, die sexuelle Erfahrungen machte, aber heute habe ich ein erfülltes Sexleben!“

Partnersuche mit Handicap: Lasst die inneren Werte sprechen!

„Bei Nichtbehinderten geht’s doch auch um innere Werte! Bei mir wird aber erst auf die Krücke geschaut“, sagt Gerhardt (29, Rostock). „Wenn du aber einen Idioten kennenlernst, ist es wurscht, ob er behindert ist oder nicht – er bleibt ein Depp!“

Nicht erwünscht: Betreuungsliebe

„Ich suche eine Partnerin. Keine Betreuerin!“ Aaron (41, Münster, sehbehindert) spricht die Angst vieler Nichtbehinderter an. „Ich suche Liebe und keine Person, die mich sicher über die Straße bringt. Oder Angst davor hat, mich pflegen zu müssen.“

Liebe mit Behinderung: Klappt’s nur unter Gleichgesinnten?

Die Welt ist bunt. Und trotzdem voller Vorurteile. Die Erwartung von nichtbehinderten Menschen, dass körperlich eingeschränkte Alleinstehende „automatisch“ nur einen ebenfalls behinderten Partner suchen, ist so verbreitet wie falsch.

Tatsächlich können sich viele einen ebenfalls eingeschränkten Partner überhaupt nicht vorstellen. Ebenso gibt es genügend Single mit Handicap, die sich einen Gleichgesinnten wünschen. Es kommt auf viele Kriterien bei der Partnerwahl an: Wie steht der behinderte Mensch selbst dazu? Wie schwer ist die Beeinträchtigung? Es gibt keine Verallgemeinerung.

Das Paradebeispiel: Vera, die Hamburgerin, die seit fünf Jahren mit einem Nichtbehinderten verheiratet ist, hat bei ihrer langjährigen Partnersuche mit Handicap eines festgestellt: „Es ist vielleicht besser, wenn man sich ergänzt und nicht die Einschränkung multipliziert.“

Das Gegenbeispiel: David Lebuser (31) und Lisa Schmidt (29) sind seit vier Jahren ein Paar. Beide sind im Rollstuhl unterwegs – und zwar mit gehörigem Tempo. Als Wheelchair-MX-Fahrer holten die Extremsportler schon bei Weltmeisterschaften Titel und Medaillen für Deutschland. Kurz: Es kommt drauf an. Und: Ja, es kann klappen.

Fazit: Partnersuche mit Handicap – Beeinträchtigt – na und?

Singles mit körperlicher Beeinträchtigung müssen durch die Natur der Sache andere Dinge beachten. Die Übereinstimmungen zwischen einer Partnersuche für Behinderte und der Partnersuche ohne Behinderung sind allerdings größer als die Unterschiede: Es geht darum, Vertrauen aufzubauen, sich sympathisch zu finden, Interesse und Aufmerksamkeit zu zeigen, gewitzt und ehrlich zu sein. Und: möglichst die große Liebe zu finden.

Eine Behinderung zu haben, heißt nicht notwendigerweise, dass man mehr zurückstecken muss. Noch weniger bedeutet es, dass man weniger zu bieten hat. Partnersuche mit Handicap sollte vor allem eins in den Köpfen aller sein: normal und selbstverständlich. Jeder Topf kann (und sollte!) seinen Deckel finden, auch wenn der vielleicht ein bisschen wackelt.

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