Frau umarmt Mann als Zeichen für Nähe Distanz Problem

Nähe-Distanz-Problem: So stellst du die Balance in der Beziehung wieder her

01.07.2021 Jana Weinberg

Viele Paarexperten und Beziehungsratgeber sind sich einig, dass eine gut funktionierende Partnerschaft immer auch auf einer ausgewogenen Nähe-Distanz-Beziehung beruht. Was auf Anhieb selbstverständlich klingt, erweist sich bei einem Blick auf Studien jedoch als größere Herausforderung als gedacht. Und dabei wird auch gleich mal mit einem großen Klischee aufgeräumt: Laut einer Parship-Umfrage1 können nämlich Männer kaum genug von ihrer Partnerin bekommen, während Frauen dagegen mehr Freiheit benötigen und sich schneller eingeengt fühlen können.

Was ist also zu tun, wenn die Sehnsucht nach Nähe und das Bedürfnis nach Freiheit in ein Ungleichgewicht geraten? Woran und in welcher Phase der Beziehung oder des Kennenlernens lassen sich konkrete Anzeichen erkennen, dass sich ein Nähe-Distanz-Problem anbahnt? Wir geben dir ein paar Tipps an die Hand, wie dir ein ausgewogenes Nähe-Distanz-Verhältnis gelingt.

Wie entsteht aus Nähe und Distanz ein Problem in den Phasen einer Beziehung?

Das Nähe- und Distanzbedürfnis ist ein dynamischer Prozess

Das Nähebedürfnis einer Person kann ebenso individuell ausgeprägt sein wie das Distanzbedürfnis und sich von Beziehung zu Beziehung unterschiedlich anfühlen. Schließlich ist dieses Zusammenspiel keine rein statische Angelegenheit und kann sich auch im Laufe der Lebensphase sowie innerhalb einer Beziehung immer wieder ändern. Gerade in jungen Jahren sind Menschen noch in Selbstfindungsprozessen und benötigen deshalb häufig mehr Freiräume, um sich auszuprobieren. Der Wunsch nach Nähe kann sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Ebenso gibt es umgekehrt Menschen, die in der Kennenlern- und Verliebtheitsphase nicht genug voneinander bekommen können, im Lauf der Beziehung aber auch wieder ein Stückweit die eigene Autonomie zurückgewinnen wollen.

Persönliche Erfahrungen sind entscheidend

Vor allem die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen haben einen Einfluss darauf, wie viel Nähe und Distanz ein jeder für sich selbst einfordert. Wer sich in einer vorangegangenen Beziehung in seiner Liebe eingeengt gefühlt hat, sehnt sich in einer neuen Partnerschaft eventuell nach mehr Freiheit und Eigenständigkeit. Aber auch Erfahrungen aus dem Elternhaus können prägend sein. Wer unter zu wenig Aufmerksamkeit litt, kann später ein umso größeres Bedürfnis nach Nähe artikulieren. Wer vielleicht von Fürsorge erdrückt wurde, sehnt sich womöglich später nach mehr Freiheit in der Partnerschaft. Selbst das Verhältnis der Elternteile zueinander färbt häufig ab. Wer als Kind unter der Trennung der Eltern litt, kann später vielleicht Probleme damit haben, Nähe und Vertrauen zu einem Partner aufzubauen.

Ängste und Zwänge können Nähe und Distanz belasten

Nicht zuletzt können auch pathologische Verhaltensmuster die Angst vor Nähe oder Distanz bestimmen. So kann die Bindungsangst – als Symptom eines angeschlagenen Selbstwertgefühls – dafür sorgen, dass das Bedürfnis nach Freiraum und Unabhängigkeit schon zwanghafte Züge annimmt. Im Gegensatz dazu steht die Verlustangst, die sich häufig in Co-Abhängigkeiten oder übermäßiges Klammern äußert.

Diese Anzeichen deuten auf ein Nähe-Distanz-Problem hin!

Es gibt viele Vorboten, an denen sich bereits früh ein Nähe-Distanz-Problem erkennen lässt. Je nach Kennenlern- und Beziehungsphase können diese unterschiedlich ausfallen.

1. Erste Anzeichen in der Kennenlernphase

Beim Anschreiben, Chatten oder auch Flirten lässt sich bereits ermitteln, in welche Richtung ein Single tendiert und wie stark das Nähe- oder Distanzbedürfnis ausgeprägt ist.

  • Zu viel oder zu wenig Kontakt: Gerade in der Kennenlernphase geht es darum, das richtige Maß bei der Kontaktaufnahme zu finden. Wenn sie beispielsweise viel und ständig schreibt, kann es sein, dass er sich zurückzieht. Schwierig wird es auch, wenn einer von beiden mit seinen Antworten zu lange auf sich warten lässt.
  • Körperliche Nähe: Wenn er beim Date zu viel oder zu schnell körperliche Nähe an den Tag legt, kann es sein, dass sie sich distanziert. Gerade Frauen wünschen sich bei Männern etwas mehr Zurückhaltung. Zu viel Nähe kann hier nicht nur einengend, sondern sogar als übergriffig empfunden werden.
  • Grenzen werden überschritten: Auch zu voreilige persönliche oder intime Fragen können schnell übergriffig wirken. Das nötige Maß von Nähe und Distanz zu erkennen, bedeutet häufig, Grenzen zu ziehen beziehungsweise diese wahrzunehmen.

2. Signale bei Frischverliebten

Nicht immer lässt sich ein ausgeprägtes Nähe- oder Distanzbedürfnis gleich auf den ersten Blick erkennen. Gerade Frischverliebte können irgendwann ein böses Erwachen erleben, wenn sie zu sehr über die sich anbahnenden Nähe-Distanz-Problem hinweggesehen haben. Dabei gilt es vor allem auf folgende Signale zu achten.

  • Bedürfnis nach Freiraum: Zu Beginn könnt ihr gar nicht genug voneinander bekommen. Doch irgendwann wird der Ruf nach mehr Freiheit wieder laut. Freunde, Hobbys oder auch berufliche Dinge kamen in der ersten Schmetterlings-Phase zu kurz. Der Wunsch, mal wieder allein zu sein, kann für einen Partner – der womöglich unter Verlustangst leidet – schnell als beängstigend interpretiert werden.
  • Anhaltende Unverbindlichkeit: Eigentlich läuft eure Zweisamkeit harmonisch ab. Dennoch will sich dein Partner nicht zu einer Beziehung bekennen oder sich auf weitere Planungen festlegen. Auch hier könnte eine Bindungsangst ausschlaggebend für das ausgeprägte Distanzbedürfnis sein.
  • Alltag vs. Wolke 7: Der eine schwebt noch im siebten Himmel, der andere versucht bereits, die Beziehung in den Alltag zu integrieren. Auch hier entsteht häufig ein Ungleichgewicht im Nähe-und-Distanzbedürfnis, das bis zur emotionalen Überforderung führen kann. Hat das Beziehungsglück wirklich in der Realität Bestand?

3. Anzeichen in Langzeitbeziehungen

Auch in langfristigen Partnerschaften kann sich ein Nähe-und-Distanz-Problem in das Beziehungsmuster einschleichen. Dabei können folgende Aspekte ausschlaggebend sein:

  • Veränderte Verhaltensweisen: Menschen ändern sich und somit auch ihr Beziehungsverhalten. Während dein Partner dir früher vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat, gibt es jetzt kaum mehr Beachtung. Auch das Verlagern von Prioritäten (Kinder, Beruf, neue Projekte) kann häufig zu Beziehungsproblemen führen.
  • Partnerschaft im Ungleichgewicht: Es kann sein, dass im Laufe einer Beziehung das Bedürfnis zwischen Zweisamkeit und Eigenständigkeit immer mehr kippt. Überwiegen Streit statt Harmonie kann auch hier ein gestörtes Nähe-Distanz-Verhältnis vorliegen.
  • On-Off-Beziehung: In Partnerschaften mit einer ausgeprägten Nähe-Distanz-Störung kommt es nicht selten dazu, dass sich Paare immer wieder trennen und nach einer Auszeit wieder zusammenkommen, weil sie einerseits nicht miteinander, andererseits auch nicht ohne einander sein können.

Wie lässt sich die Nähe-Distanz-Störung bereits beim Kennenlernen lösen

Du kannst schon im Vorfeld einem drohenden Nähe-Distanz-Problem entgegenwirken. Dabei ist es hilfreich, zu wissen, was du von einer Beziehung erwartest und welche Verhaltensweisen für dich ein No-Go darstellen. Mit diesen drei Tipps sorgst du für Klarheit:

  1. Gleiche Interessen und Werte: Achte darauf, ob ihr wirklich auf einer Wellenlänge seid. Auch wenn seine oder ihre freiheitsliebende und rebellische Art auf dich verführerisch wirken, auf Dauer kann dies zum Konfliktherd werden, wenn du dagegen viel Nähe und Geborgenheit brauchst.
  2. Beobachte das Verhalten: Schreibt er schnell zurück oder lässt er sich Zeit? Ist sie zurückhaltend oder überrennt sie dich? Nimm seine / ihre Verhaltensweisen unter die Lupe und finde heraus, was dir guttut und was nicht.
  3. Sprecht frühzeitig darüber: „Wehret den Anfängen“ lautet ein altes Sprichwort. Wenn du rechtzeitig deine Bedürfnisse kommunizierst, gibst du deinem potenziellen Partner die Chance, darauf zu reagieren. Je offener und ehrlicher ihr miteinander umgeht, umso mehr Missverständnisse können aus dem Weg geräumt werden.

Kurzfristige wie langfristige Lösungen bei Partnerschaften

Wenn sich bei bereits bestehenden Partnerschaften ein Nähe-Distanz-Problem eingeschlichen hat, gibt es auch hier einige Lösungsmöglichkeiten.

Diese drei Tipps helfen auf kurzfristige Sicht:

  1. Kommuniziert offen eure Wünsche und Bedürfnisse
    Wenn ihr im regen Austausch bleibt und ein ehrliches Gespräch sucht, kann das eure Nähe-Distanz-Störung wieder ins Lot bringen. Versucht auch die Sichtweise eures Partners einzunehmen und Verständnis aufzubringen, ohne anklagend oder verletzend zu sein.
  2. Erkennt Co-Abhängigkeiten und gewährt Freiräume
    Ihr müsst nicht immer alles gemeinsam machen. Vereinbart auch mal getrennte Abende mit Freunden, die dabei helfen, euch von der Nähe-Distanz-Thematik abzulenken. Ebenso kann es helfen, unterschiedlichen Hobbys nachzugehen, um aus einer eingeengten oder eingefahrenen Situation mal wieder auszubrechen.
  3. Pflegt gemeinsame Rituale
    Gemeinsame Spaziergänge, Essenszeiten oder immer wiederkehren Aktivitäten können ebenfalls helfen, das nötige Gleichgewicht wieder herzustellen. Solche Rituale sorgen wiederum für Stabilität, wenn euch euer Beziehungsalltag eher auf Distanz hält.

Diese vier Tipps helfen auf langfristige Sicht:

  1. Definiert gemeinsame Ziele
    Ein Umzug, eine große Reise, ein neues Projekt – wenn ihr an einer gemeinsamen Zukunft arbeitet, stärkt dies wiederum das Gefühl von Verbundenheit und lässt Verlustängste schnell alt aussehen.
  2. Geht Kompromisse ein
    Wenn beide auf ihrem Standpunkt verharren, verhärten sich nur die Fronten. Wenn ihr die Bereitschaft signalisiert, Kompromisse einzugehen, findet ihr schneller eine Lösung, die für beide zufriedenstellend ist.
  3. Betreibt Ursachenforschung
    Versucht herauszufinden, woher die Bindungsstörung oder die Verlustangst stammen könnten. Wenn ihr eure blinden Flecken erkennt, habt ihr eine größere Chance, das Nähe-Distanz-Problem in den Griff zu bekommen.
  4. Holt euch Hilfe von außen
    Sollte hinter der Nähe-Distanz-Problematik eine tiefer sitzende Persönlichkeitsstörung stecken, kann euch eine Paarberatung dabei helfen, eure Konflikte in den Griff zu bekommen.

Fazit: Mit bewusstem Blick in die Balance

Liebe lebt von Nähe, Liebe bracht aber auch ihre Freiheiten. Das Wechselspiel von Nähe und Distanz wird in jeder Beziehung anders gelebt. Aufkeimende Probleme sind noch kein Grund zur Trennung. Je bewusster du deinen Blick auf diese Prozesse richtest, desto mehr kannst du reagieren, um das Nähe-Distanz-Problem eurer Beziehung wieder in die richtige Balance zu bringen.

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