Bindungsangst: Wie Sie sie erkennen & was Sie dagegen tun können

Menschen mit Bindungsangst haben unbewusst Angst vor der Liebe und emotionaler Nähe und können sich nicht auf eine dauerhafte Beziehung einlassen – obwohl sie sich danach sehnen. Die Angst sich zu binden kann verschiedene Ursachen und Merkmale haben. Wer sich intensiv damit auseinandersetzt, kann sie mit den nachfolgenden Tipps erfolgreich überwinden.

Inhalt

Woher kommen Bindungsängste?

Die Angst, sich lebenslang an einen Partner zu binden, ist kein neues Phänomen. Neben einer überzeugten Grundeinstellung sich gezielt nicht binden zu wollen wie zum Beispiel ein Mingle, verbergen sich hinter Bindungsangst oftmals verschiedene Ängste, derer sich die Betroffenen meist nicht bewusst sind.

1. Negative Verletzungen und Verlusterlebnisse

Die Angst vor emotionaler Nähe ist bei den meisten Bindungsunfähigen auf ein geringes Selbstwertgefühl zurückzuführen. Negative Erfahrungen bilden den Grundstein dafür. Beispielsweise haben Betroffene in früheren Liebesbeziehungen häufig Verletzungen oder andere personenbezogene Verluste erlebt.

2. Bindungsverhalten der Kindheit

Eine ausgeprägte Bindungsangst basiert in der Regel auf schmerzlichen Kindheitserfahrungen, die vor allem in den ersten beiden Lebensjahren erlebt worden sind. So können eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung oder ein schwieriges Verhältnis zum Vater Gründe für eine Bindungsphobie sein. Die Verbindung zur Mutter ist laut Psychologen allerdings die ausschlaggebende Basis für den späteren Bindungsstil des Kindes. Wer zum Beispiel mit einer distanzierten, abweisenden oder dominanten Mutter aufgewachsen ist, lernt früh, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle unter Kontrolle zu halten und zu verstecken. Die Vernachlässigung der Eltern kann aber auch zu Angst vor emotionalen Verletzungen im späteren Entwicklungsprozess beitragen. Im Gegensatz dazu verknüpfen Menschen mit einer überbehüteten Kindheit eine enge Bindungen mit einer Bedrohung im späteren Leben.

3. Die negative Vorbildfunktion der Beziehung der Eltern

Aber nicht nur das Verhalten der Eltern in der Kindheit, sondern auch das elterliche „Vorbild“ hat Einfluss auf den Bindungsstil. Lebten die Eltern eine distanzierte Beziehung mit wenig Nähe und Zärtlichkeit vor, ist es nicht unwahrscheinlich, dass deren Kinder dieses Beziehungsverhalten in deren Zukunft adaptieren.

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Was sind typische Symptome bei Bindungsangst?

Menschen mit einer starken Blockade bei einer festen Bindung fürchten sich sowohl vor dem Verhalten des Partners als auch vor ihrem eigenen. Dies ist in der Ambivalenz ihres Zustands begründet, denn so sehr sie sich vor Nähe fürchten, so sehr sehnen sie sich auch nach ihr. Aus diesem Grund pendeln Menschen mit Bindungsangst im Vergleich zur Trennungsangst ständig zwischen Nähe und Entfernung. Unbewusst verknüpfen sie emotionale Nähe mit Schmerz und Gefahr.

Die beiden amerikanischen Autoren Steven Carter und Julia Sokol unterscheiden in Ihrem Ratgeber „Nah und doch so fern. Beziehungsangst und ihre Folgen“ in aktive und passive Beziehungsvermeider.

Menschen mit Bindungsproblemen suchen sich in der Regel entweder eine Beziehung mit „eingebauter“ Distanz oder sie geben sich alle Mühe, in ihrer bestehenden Beziehung Distanz zu schaffen.

Verhaltensweisen von aktiven Beziehungsvermeidern

  • Kontaktabbruch: Nach der Phase der rosaroten Brille verspüren verliebte Männer oder Frauen mit Bindungsangst häufig eine innere Zerrissenheit. Sie leiden, weil ihnen bewusst wird, wie viel ihnen der Partner bedeutet. Mögliche Kurzschlussreaktionen: Zum Beispiel beendet ein Opfer von Bindungsangst nach dem Ghosting Prinzip die Beziehung „aus heiterem Himmel“ oder er verschwindet am Morgen nach einer leidenschaftlichen Nacht.
  • Emotionslosigkeit: Auch kühles, abweisendes oder sogar aggressives Verhalten kann hier ein typisches Anzeichen sein. Nicht selten wird aus der Bedrohung von zu viel Nähe oder nach einem schönen Moment scheinbar grundlos ein Streit vom Zaun gebrochen.
  • Kein Verantwortungsbewusstsein: Auch die Ablehnung von Verantwortung und Verpflichtungen in einer Beziehung ist ein typisches Merkmal. Generell sind Erwartungen des potentiellen Partners ein Grauen für ihn, das Fluchtreflexe auslöst.
  • Unentschlossenheit: Menschen, die sich nicht binden wollen, sind oft entscheidungsschwach und wollen sich nicht festlegen. Deswegen plädieren sie für unverbindliche Beziehungen. Auch „On-Off-Beziehungen“ sind ein Hinweis dafür.
  • Rückzug: Beliebte und auffällige Distanziehungsphasen von Männern und Frauen sind beispielsweise die Flucht in Arbeit, Hobbys, Untreue, Krankheit oder in sexuelle Zurückhaltung.

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Verhaltensmuster von passiven Beziehungsvermeidern

  1. Widersprüchliche Partnerwahl: Wer passiv darunter leidet, sucht sich konsequent Partner, die nicht zum ihm passen.
  2. Verliebt in die falschen Personen: Häufig verlieben sich Frauen und Männer mit passiver Angst vor einer festen Bindung in bereits liierte Menschen oder solche, die ihnen offensichtlich nicht gut tun.
  3. Ignoranz für das Wesentliche: Taucht hingegen ein potentieller Partner auf, der zu ihnen passt, wird er ignoriert.

Körperliche Anzeichen von Bindungsangst

Nicht nur Verhaltensweisen, sondern auch körperliche Auswirkungen, wie starke Anspannung, Herzrasen, Beklemmungsgefühl oder Panikattacken können Symptome von Bindungsangst sein.

Unterschiede zwischen Mann und Frau

Grundsätzlich lassen sich keine eindeutig männlichen oder weiblichen Merkmale bei Bindungsphobikern differenzieren. Je nach Ausprägung und Auslöser zeigt jeder also ein ähnliches Repertoire an ambivalentem Verhalten. Lediglich die Intensität der Ausprägung kann sich geschlechtsspezifisch unterscheiden.

Wie bewältigen Sie Ihre Angst vor Bindung?

Schritt 1 – Der Bewusstseinsprozess: Wer seine Bindungsangst heilen will, sollte sie sich eingestehen und darüber bewusst werden. Eine positive Selbstwahrnehmung ist der erste Schritt zum Erfolg. Überdenken und überarbeiten Sie das Bild, das Sie von sich haben – vielleicht verhindert dies weitere Schritte – oder gar die Hoffnung auf Änderung. Extra-Tipp: Sagen Sie sich immer wieder, dass Sie es schaffen können, die Panik hinter sich zu lassen.

Schritt 2 – Konfrontation mit der Angst: Beschäftigen Sie sich dann mit Ihren konkreten Ängsten und Ihrem Verhalten. So können Sie mit der Aufarbeitung beginnen. Allein (oder nur mit dem Partner) lässt sich das Problem nur schwer bewältigen: Suchen Sie sich eine Selbsthilfegruppe oder tauschen Sie sich in einem entsprechenden Forum darüber aus. Auch die psychologisch betreute Therapie Ihrer Bindungsangst ist sinnvoll, da dort, die Ursachenforschung professionell begleitet wird. Dabei lernen Sie Ihre Gefühle adäquat zu äußern.

Schritt 3 – Die Entfaltung: Öffnen Sie sich gegenüber anderen. Bauen Sie wieder Vertrauen zu Menschen auf. Setzen Sie dabei jedoch auch klare Grenzen und lernen Sie, sich selbst anzunehmen.

Wie gelingt der Umgang mit der Bindungsangst des Partners?

Ein beziehungsunfähiger Partner stellt den Liebenden vor eine große Herausforderung. Durch das ständige Wechselspiel von Distanz und Nähe kann er sich in der Beziehung nie sicher fühlen.

Diese Unsicherheit kann in einem Teufelskreis münden: Durch den Rückzug des Partners steigert sich das Begehren. Das führt zu immer größeren Anstrengungen, die Liebe des Bindungsvermeiders (zurück)zugewinnen. Daraus folgt wiederum, dass sich der Betroffene eingeengt fühlt.

Tipps mit den Ängsten des Partners umzugehen:

  1. Machen Sie Ihrem Partner keine Vorwürfe.
  2. Führen Sie ehrliche, nicht anklagende Gespräche, in denen Sie gemeinsam die Gründe herausfinden.
  3. Machen Sie ihrem Partner klar, dass er nur eine Chance auf Heilung hat, wenn er seine Angst wahrnimmt und anerkennt.
  4. Lernen Sie, Ihren Partner und die Ursachen seiner Bindungsangst verstehen – nur so können Sie ihm seine Sorgen nehmen.
  5. Formulieren Sie auch Ihre eigenen Wünsche für die Beziehung.
  6. Erwarten Sie nicht, dass der andere sich (schnell) ändert. Sie sollten optimistisch und gemeinsam daran arbeiten.
  7. Seien Sie geduldig.
  8. Helfen Sie ihm durch Ihre Liebe, sein Selbstwertgefühl zu steigern.
  9. Ermöglichen Sie ihm positive Erfahrungen von Nähe, um ihm zu helfen, die Bindungsangst zu überwinden.
  10. Zeigen Sie ihm auf, wie und wo er sich professionelle Hilfe holen kann.

Wenn alle Bestrebungen dennoch nicht dazu führen, dass Ihr Partner seine Bindungsblockade bewältigen kann, bleibt Ihnen nur die Wahl zwischen Akzeptanz oder Trennung .

Gut zu wissen: Nicht selten ist auch die Tatsache, dass sich ein Opfer von Bindungsangst in einen gleichgesinnten Menschen verliebt.

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Fazit: Die Selbsterkenntnis als Lösung des Bindungsproblems

Die Ursachen liegen sowohl in der Kindheit, in der vorgelebten Elternbeziehung, als auch in einem geringen Selbstwertgefühl begründet. Angst vor Bindung ist kein typisch männliches Phänomen. Auch Frauen leiden unter Bindungsangst. Unterschieden wird in aktive und passive Ausprägungen zur Vermeidung fester Liebesbeziehungen.

Strategien aktiver Beziehungsvermeider

Strategien passiver Beziehungsvermeider

Beenden Beziehungen spontan oder tauchen einfach unter.

Verlieben sich in unerreichbare Partner.
Provozieren den Partner durch Streit, Unzuverlässigkeit, Gefühlskälte o.ä., die Beziehung zu beenden.

Verlieben sich in Partner, die nicht zu ihnen passen oder ihnen nicht gut tun.

Ziehen sich in Arbeit, Hobbys, Untreue, Krankheit, sexuelle Enthaltsamkeit zurück.

Ignorieren passende Partner.

Der erste Schritt um Bindungsangst zu überwinden ist, diese anzuerkennen. Das Erkunden der Gründe und die Aufarbeitung konkreter Ängste erfolgt idealerweise mit professioneller Hilfe oder im Austausch mit anderen Betroffenen. Entfalten Sie sich schließlich und gewinnen Sie das Vertrauen wieder zurück.

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