Offene Beziehung: Woher kommt der Anreiz nach sexueller Freiheit?

Trotz aller Verheißungen sind offene Beziehungen in Deutschland nicht sehr beliebt. Laut einer Parship-Studie führen im Westen des Landes nur drei Prozent der Menschen diese Form der Partnerschaft, im Norden, Osten und Süden sind es sogar nur zwei Prozent. Warum dieses alternative Beziehungsmodell doch zum Thema werden kann und welche Regeln das Paar dabei beachten sollte.

Inhalt:

Warum eine offene Beziehung führen? Die Vor- und Nachteile

Sie sollten vorher gründlich nachdenken, warum Sie den Wunsch zu diesem Partnerschaftsmodell verspüren. Wichtig: Kommt das Thema auf den Tisch, seien Sie ehrlich – zu sich selbst und Ihrem Partner. Einige Gründe sprechen aus Sicht der Psychologie für eine offene Beziehung. Aber Sie sollten auch beachten, unter welchen Bedingungen dieses Modell eher destruktiv ist.

Zwischen Einseitigkeit und Fernbeziehung

Lieben Sie Ihren Partner aber benötigen Sie den Freiraum, weil Sie sich sexuell nicht nur auf eine Person konzentrieren wollen, sollte Ihr Bedürfnis nach Polyamorie angesprochen werden. Wenn es für beide in Ordnung ist kann diese sexuelle Mehrfachbeziehung mit einer dritten Person wie ein Hobby gesehen werden. Sie steht beispielsweise mit den Freiheiten des Partners im Fitnessstudio oder im Fußballverein auf einer Stufe.

Auch bei einer Fernbeziehung kann die fehlende körperliche Nähe einer Zweierbeziehung mit anderen kompensiert werden. Wer Experimente mit dem anderen Geschlecht wagen will, kann diese ebenfalls in einer offenen Beziehung ausleben. Der Austausch über die sexuellen Erfahrungen, die Sie beide erleben, kann sehr anregend sein. Behalten Sie immer im Blick: Der Sex mit dem Partner sollte trotz der lustvollen Abenteuer nicht zu kurz kommen. Ganz im Gegenteil: Im Idealfall wird dieser durch Ihr Arrangement sogar aufgewertet und intensiviert.

Zwischen Eifersucht und Verlustangst

Dennoch sollten Sie wissen, dass eine geöffnete Beziehung Eifersucht stark erhitzen wird. Wer BIndungsangst hat und sexuelle mit persönlicher Freiheit gleichsetzt, sollte die Finger davonlassen.

Verlustängste können ebenfalls nicht durch das Gegenteil von Monogamie befriedet werden. Stimmt ein Partner nur zu, weil er befürchtet, den anderen zu verlieren, wird die Panik davor, verlassen zu werden sogar noch gesteigert.

Klare Regeln sind ein Muss bei einer offenen Beziehung

Wer sich dazu entschließt, diesen starken Freiraum in der Liebe zu wagen, sollte unbedingt Regeln festlegen. Welche das genau sind, müssen Sie als Paar gemeinsam bestimmen. Kommen hier schon tiefe Gräben zum Vorschein, sollten Sie nach Alternativen suchen wie zum Beispiel einer Beziehungspause.

1. Kommunizieren Sie direkt und ehrlich

Die wichtigste Regel in offenen Beziehungen lautet: Sprechen Sie miteinander! Legen Sie nicht einfach fest. Stellen Sie klar, worüber Sie dann sprechen werden – mit Ihrem Partner und den Menschen, mit denen Sie Ihre Abenteuer ausleben.

Wollen Sie sich gegenseitig über jedes noch so kleine Detail in Kenntnis setzen? Oder reicht Ihnen aus, dass Sie sich nur an der Oberfläche darüber austauschen? Erklären Sie der dritten Person, dass Sie eine offen gehaltene Beziehung führen. Denn die Betroffenen könnten sich von Ihnen enttäuscht fühlen, weil Sie sich womöglich mehr erhoffen als nur einen One-Night-Stand. Auch Ihren Freunden sollten Sie Bescheid geben. Anderenfalls könnte es zu Missverständnissen kommen.

2. Wie „offen“ soll die Beziehung sein?

Wichtig ist klarzustellen, ob es ausschließlich um Sex geht. Sind erste Dates mit romantischen Dinners erlaubt? Oft kann schon ein Kuss die Grenze markieren. Es muss nicht gezwungenermaßen zu wilden Bettgeschichten mit fremden Personen kommen. Wenn die Beziehung doch offener gefasst ist, definieren Sie gemeinsam, was beide darunter verstehen:

  • Sind Übernachtungen auswärts in Ordnung?
  • Sind Sie mit sämtlichen Praktiken einverstanden oder ist Ihnen doch etwas unwohl, wenn Ihr Partner gewisse Erfahrungen machen würde?
  • Wie steht es mit Wiederholungen: Bestehen Sie darauf, dass Sie nur einmal mit einer anderen Person schlafen oder räumen Sie die Möglichkeit ein, ein zweites Mal in das gleiche fremde Bett zu steigen?
  • Stellen Sie klar, dass Verhütung ein Muss ist.

Unter 30.000 neuen
Mitgliedern wöchentlich
schlägt ein Herz für Sie

Jetzt kostenlos anmelden >

3. Definieren Sie klare Grenzen

Wer sollte niemals als Sexpartner infrage kommen? Sind Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen tabu? Stecken Sie die Grenzen eindeutig ab.

Wollen Sie sich jedes Mal vorher die Erlaubnis Ihres Liebsten einholen oder lassen Sie den Abenden freien Lauf? Auch ein „Veto-Recht“ kann ein Mittel sein, um an trüberen Tagen die ungeteilte Aufmerksamkeit für sich sicherzustellen.

Sehen Sie das offene Liebesverhältnis als Experiment, bauen Sie eine Exit-Option ein, bei der Sie jederzeit wieder auf die Exklusivität des anderen bestehen können. Ihr Partner sollte trotz aller Abenteuerlust immer im Mittelpunkt stehen.

In der offenen Beziehung fremd verliebt – was tun?

Das Schlimmste, was es gibt: Nach einem One-Night-Stand sind plötzlich Gefühle im Spiel. Das gilt nicht nur für Singles, die sich von ihrer Liaison mehr erhofft hatten. Auch in einer offenen Beziehung kann es dazu kommen, dass sich einer der beiden in eine andere Person verliebt. Was nun?

1. Bleiben Sie gelassen: Verliebtheit ist keine Liebe

Haben Sie sich bei einem Abenteuer während Ihrer offenen Beziehung verliebt, kommen Sie erst einmal zur Ruhe. Auch in klassischen Zweierbeziehungen kann es passieren, dass sich ein Partner in eine fremde Person verliebt. Die rosarote Brille ersetzt keine über lange Zeit gewachsene Bindung – machen Sie sich das klar.

2. Sprechen Sie darüber

Machen Sie kein Geheimnis aus Ihren Gefühlen. Erzählen Sie Ihrem Partner, dass sie für die Person plötzlich mehr empfanden, als Sie durften. Nichts wäre ein schwerwiegenderer Vertrauensbruch als Stillschweigen darüber zu bewahren. Denken Sie daran: Bei einer offenen Partnerschaft ist emotionale Treue das A und O!

3. Vergessen Sie die fremde Person

So unmöglich das auf den ersten Blick scheinen mag: Verliebtheit schwindet. Die emotionale Basis, die Sie als Paar haben, ist ein solides Fundament. Anderenfalls hätten Sie keine offene Beziehung gewagt.

Haben Sie öfter Probleme mit der Verliebtheit, sollten Sie womöglich die Exit-Option wählen und das Experiment abbrechen bevor es Ihre Beziehung beendet. Dann liegen die eigentlichen Gründe, warum Sie darüber nachgedacht haben, woanders. Arbeiten Sie gemeinsam die Erfahrungen auf, um Ihre Beziehung zu retten.

Kostenlos anmelden

9 von 10 Paaren bleiben zusammen.

Fazit: Offene Beziehungen sind spannend, aber voller Voraussetzungen

Sie kann ein überwältigendes Abenteuer sein, Ihre Beziehung mit einem Hauch Aufregung anreichern und einfach Spaß machen. Aber denken Sie daran: Sie überwindet keine Beziehungskrisen. Ganz im Gegenteil! Eine solches Beziehungsmodell macht erst dann Sinn, wenn Ihre Partnerschaft auf einem festen Fundament steht.

Klären Sie zuallererst, warum das Thema für Sie relevant ist. Stellen Sie dann klare Regeln für die offene Beziehung auf. Und seien Sie vor allem immer vollkommen ehrlich zueinander – dann können Sie sich mit bestem Gewissen ins Abenteuer stürzen.

Jetzt kostenlos anmelden und den passenden Partner finden