Mann und Frau besorgt

Offene Beziehung: Woher kommt der Anreiz nach sexueller Freiheit?

17.01.2019 Holger Weißmann

Trotz aller Verheißungen sind offene Beziehungen in Deutschland nicht sehr beliebt. Laut einer Parship-Studie führen im Westen des Landes nur drei Prozent der Menschen diese Form der Partnerschaft, im Norden, Osten und Süden sind es sogar nur zwei Prozent. Warum dieses alternative Beziehungsmodell doch zum Thema werden kann und welche Regeln das Paar dabei beachten sollte.

Inhalt:

Warum eine offene Beziehung führen? Die Vor- und Nachteile

Du solltest vorher gründlich nachdenken, warum du den Wunsch zu diesem Partnerschaftsmodell verspürst. Wichtig: Kommt das Thema auf den Tisch, sei ehrlich – zu dir selbst und deinem Partner. Einige Gründe sprechen aus Sicht der Psychologie für eine offene Beziehung. Aber du solltest auch beachten, unter welchen Bedingungen dieses Modell eher destruktiv ist.

Zwischen Einseitigkeit und Fernbeziehung

Liebst du deinen Partner, aber benötigst den Freiraum, weil du dich sexuell nicht nur auf eine Person konzentrieren willst, sollte dein Bedürfnis nach Polyamorie angesprochen werden. Wenn es für beide in Ordnung ist, kann diese sexuelle Mehrfachbeziehung mit einer dritten Person wie ein Hobby gesehen werden. Sie steht beispielsweise mit den Freiheiten des Partners im Fitnessstudio oder im Fußballverein auf einer Stufe.

Auch bei einer Fernbeziehung kann die fehlende körperliche Nähe einer Zweierbeziehung mit anderen kompensiert werden. Wer Experimente mit dem anderen Geschlecht wagen will, kann diese ebenfalls in einer offenen Beziehung ausleben. Der Austausch über die sexuellen Erfahrungen, die ihr beide erlebt, kann sehr anregend sein. Behalte immer im Blick: Der Sex mit dem Partner sollte trotz der lustvollen Abenteuer nicht zu kurz kommen. Ganz im Gegenteil: Im Idealfall wird dieser durch dein Arrangement sogar aufgewertet und intensiviert.

Zwischen Eifersucht und Verlustangst

Dennoch solltest du wissen, dass eine geöffnete Beziehung Eifersucht stark erhitzen wird. Wer Bindungsangst hat und sexuelle mit persönlicher Freiheit gleichsetzt, sollte die Finger davon lassen.

Verlustängste können ebenfalls nicht durch das Gegenteil von Monogamie befriedet werden. Stimmt ein Partner nur zu, weil er befürchtet, den anderen zu verlieren, wird die Panik davor, verlassen zu werden, sogar noch gesteigert.

Klare Regeln sind ein Muss bei einer offenen Beziehung

Wer sich dazu entschließt, diesen starken Freiraum in der Liebe zu wagen, sollte unbedingt Regeln festlegen. Welche das genau sind, müsst ihr als Paar gemeinsam bestimmen. Kommen hier schon tiefe Gräben zum Vorschein, solltest du nach Alternativen suchen, wie zum Beispiel einer Beziehungspause.

1. Kommuniziere direkt und ehrlich

Die wichtigste Regel in offenen Beziehungen lautet: Sprecht miteinander! Lege nicht einfach fest. Stell klar, worüber du dann sprechen wirst – mit deinem Partner und den Menschen, mit denen du deine Abenteuer auslebst.

Wollt ihr euch gegenseitig über jedes noch so kleine Detail in Kenntnis setzen? Oder reicht dir aus, dass ihr euch nur an der Oberfläche darüber austauscht? Erkläre der dritten Person, dass du eine offen gehaltene Beziehung führst. Denn die Betroffenen könnten sich von dir enttäuscht fühlen, weil sie sich womöglich mehr erhoffen als nur einen One-Night-Stand. Auch deinen Freunden solltest du Bescheid geben. Andernfalls könnte es zu Missverständnissen kommen.

2. Wie „offen“ soll die Beziehung sein?

Wichtig ist klarzustellen, ob es ausschließlich um Sex geht. Sind erste Dates mit romantischen Dinners erlaubt? Oft kann schon ein Kuss die Grenze markieren. Es muss nicht gezwungenermaßen zu wilden Bettgeschichten mit fremden Personen kommen. Wenn die Beziehung doch offener gefasst ist, definiert gemeinsam, was beide darunter verstehen:

  • Sind Übernachtungen auswärts in Ordnung?
  • Bist du mit sämtlichen Praktiken einverstanden oder ist dir doch etwas unwohl, wenn dein Partner gewisse Erfahrungen machen würde?
  • Wie steht es mit Wiederholungen: Bestehst du darauf, dass ihr nur einmal mit einer anderen Person schlaft oder räumst du die Möglichkeit ein, ein zweites Mal in das gleiche fremde Bett zu steigen?
  • Stell klar, dass Verhütung ein Muss ist.

3. Definiere klare Grenzen

Wer sollte niemals als Sexpartner infrage kommen? Sind Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen tabu? Stecke die Grenzen eindeutig ab.

Willst du dir jedes Mal vorher die Erlaubnis deines Liebsten einholen oder lässt du den Abenden freien Lauf? Auch ein „Veto-Recht“ kann ein Mittel sein, um an trüberen Tagen die ungeteilte Aufmerksamkeit für sich sicherzustellen.

Siehst du das offene Liebesverhältnis als Experiment, bau eine Exit-Option ein, bei der du jederzeit wieder auf die Exklusivität des anderen bestehen kannst. Dein Partner sollte trotz aller Abenteuerlust immer im Mittelpunkt stehen.

In der offenen Beziehung fremd verliebt – was tun?

Das Schlimmste, was es gibt: Nach einem One-Night-Stand sind plötzlich Gefühle im Spiel. Das gilt nicht nur für Singles, die sich von ihrer Liaison mehr erhofft hatten. Auch in einer offenen Beziehung kann es dazu kommen, dass sich einer der beiden in eine andere Person verliebt. Was nun?

1. Bleib gelassen: Verliebtheit ist keine Liebe

Hast du dich bei einem Abenteuer während eurer offenen Beziehung verliebt, komm erst einmal zur Ruhe. Auch in klassischen Zweierbeziehungen kann es passieren, dass sich ein Partner in eine fremde Person verliebt. Die rosarote Brille ersetzt keine über lange Zeit gewachsene Bindung – mach dir das klar.

2. Sprich darüber

Mach kein Geheimnis aus deinen Gefühlen. Erzähle deinem Partner, dass du für die Person plötzlich mehr empfandest, als du durftest. Nichts wäre ein schwerwiegenderer Vertrauensbruch als Stillschweigen darüber zu bewahren. Denk daran: Bei einer offenen Partnerschaft ist emotionale Treue das A und O!

3. Vergiss die fremde Person

So unmöglich das auf den ersten Blick scheinen mag: Verliebtheit schwindet. Die emotionale Basis, die ihr als Paar habt, ist ein solides Fundament. Anderenfalls hättest du keine offene Beziehung gewagt.

Hast du öfter Probleme mit der Verliebtheit, solltest du womöglich die Exit-Option wählen und das Experiment abbrechen, bevor es deine Beziehung beendet. Dann liegen die eigentlichen Gründe, warum du darüber nachgedacht hast, woanders. Arbeitet gemeinsam die Erfahrungen auf, um eure Beziehung zu retten.

Fazit: Offene Beziehungen sind spannend, aber voller Voraussetzungen

Sie kann ein überwältigendes Abenteuer sein, deine Beziehung mit einem Hauch Aufregung anreichern und einfach Spaß machen. Aber denk daran: Sie überwindet keine Beziehungskrisen. Ganz im Gegenteil! Ein solches Beziehungsmodell ergibt erst dann Sinn, wenn deine Partnerschaft auf einem festen Fundament steht.

Kläre zuallererst, warum das Thema für dich relevant ist. Stelle dann klare Regeln für die offene Beziehung auf. Und seid vor allem immer vollkommen ehrlich zueinander – dann kannst du dich mit bestem Gewissen ins Abenteuer stürzen.

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