Mann mit Peter Pan Syndrom zieht kindsche Grimasse

Peter-Pan-Syndrom: Wenn Männer ewig Kind bleiben statt erwachsen zu werden

12.10.2018 Holger Weißmann

Männer mit Peter-Pan-Syndrom sind rebellisch, anarchistisch und in vielerlei Hinsicht unkonventionell. Gerade das macht sie auf den ersten Blick so attraktiv für die Frauenwelt. Denn eines steht fest: Hier winken aufregende Abenteuer. Doch dieser Typ Mann hat auch eine Schattenseite: Er legt immer wieder unangemessen kindliche Verhaltensmuster an den Tag. Darauf ist auch der wissenschaftlich fundierte Begriff Peter-Pan-Syndrom zurückzuführen.

Was nach jeder Menge Spaß klingt, kann durchaus zu einer großen Herausforderung für eine Partnerschaft werden. Denn es ist nicht leicht, diese Männer im Zaum zu halten. Ist eine Beziehung mit so einem Mann überhaupt möglich? An welchen Symptomen erkennst du bereits beim ersten Date, dass du einen Mann vor dir hast, der nicht erwachsen werden will? Hier findest du Tipps für den richtigen Umgang mit Männern mit Peter-Pan-Syndrom.

Inhalt:

Wo der Begriff herkommt?

Er lebt auf einer fiktiven Insel in „Nimmerland“, ist Anführer der „verlorenen Jungs“, erlebt zahlreiche Abenteuer, kann fliegen, kämpft gegen Piraten und hat vor allem einen großen Wunsch: Er will niemals erwachsen werden. Die berühmte Kindergeschichte von James Matthew Barrie steht Pate für das Syndrom, das der US-amerikanische Familientherapeut Dan Kiley seit Beginn der 1980er-Jahre untersucht. In seinem Ratgeber-Buch „Peter-Pan-Syndrom“, das den Untertitel „Männer, die nie erwachsen werden“ trägt, beschreibt er auf populärwissenschaftliche Weise unangemessene und kindliche Verhaltensmuster von Männern.

Die Kinderbuchfigur wird somit zum verständlichen Sinnbild für die Symptomatik, die sich hinter dem von Kiley erforschten Syndrom verbirgt. Sie beschreibt analog das Verhalten unreifer Männer, die ihr Leben im ewigen Spiel verbringen wollen, sich so aber – der Geschichte von Barrie folgend – in die Einsamkeit katapultieren. Inzwischen findet der Begriff aber auch in der Psychologie Verwendung.

6 Anzeichen, an denen du das Peter-Pan-Syndrom erkennst

Es gibt einige Charaktermerkmale, die potenzielle Hinweise auf dieses Syndrom liefern. Wir stellen dir sechs Anzeichen vor, die das Phänomen beschreiben und auch aus Kiley’s Sicht offensichtlich dafür sprechen.

1. Verantwortungslosigkeit

Du sitzt bereits beim vereinbarten Rendezvous, doch dein Dating-Partner kommt nicht und lässt dich sitzen. Hat er es komplett vergessen? Vielleicht musst du auch ständig den Termin verschieben, weil er nicht richtig planen kann. Einen Mann mit Peter-Pan-Syndrom erkennst du daran, dass er sich gerne vor seinen Pflichten fernhält oder unzuverlässig ist, wenn es um das Erledigen von Aufgaben geht.

Bei seiner fehlenden Selbstdisziplin kann der Geduldsfaden einer Frau schon mal reißen. Doch unreife Männer fühlen sich keiner Schuld bewusst, wenn ihnen etwas misslingt. Sie sind unbekümmert und verlachen gerne Regeln. Das macht sie häufig zu Tagträumern mit einer blühenden Fantasie. In der Kennenlernphase mag das für eine gewisse Leichtigkeit sorgen. Doch gerade dann solltest du verstärkt darauf achten, ob seine Lebenseinstellung auch noch in der Realität Bestand hat oder nicht.

2. Angst und Schuldgefühle

Wie Kiley festgestellt hat, verbergen kindische Männer mit diesem Syndrom oft einen Vorwurf gegenüber den Eltern. Die damit verbundene Angst führt häufig zu emotionaler Verkümmerung. Achte beim Kennenlernen daher verstärkt darauf, wie sehr dein potentieller Partner in Co-Abhängigkeit zu seinem Elternhaus steht. Ist er ein erwachsener Mann oder eher ein Muttersöhnchen?

3. Einsamkeit

Häufig erhältst du in der Zeit des Kennenlernens auch einen Einblick in das soziale Umfeld deines Dating-Partners. Du stellst allerdings schnell fest, dass er keine echten Freunde hat. Unreife Männer, die Anzeichen des Peter-Pan-Syndroms aufweisen, katapultieren sich in ein einsames Leben. Laut Kiley ist das auf das Gefühl, vom Vater abgelehnt zu werden, zurückzuführen. Die ständige Suche nach Freunden bleibt daher erfolglos und wird bestenfalls durch die Anpassung an sogenannte „Kumpel“-Gruppen kompensiert.

4. Sexueller Rollenkonflikt

Du findest deinen Kontakt zwar äußerst attraktiv, merkst aber auch, dass er mit Prahlerei und coolem Macho-Gehabe nicht geizt. Peter Pan konnte auch krähen wie ein stolzer Gockel. Doch wo liegt deine Toleranzgrenze? Männer mit dem Peter-Pan-Syndrom hangeln sich schnell von einer Beziehung in die nächste. Aber Vorsicht: Seine Unsicherheit und sein mangelndes Selbstvertrauen verhindern, dass er eine positive und offene Beziehung führen kann.

5. Narzissmus

Du merkst bereits bei der persönlichen Begegnung, dass hier jemand sehr gerne nur von und über sich spricht. Im Gespräch nimmt er extrem auffällig den Bezug auf sich. Hüte dich vor Narzissten! Denn diese Männer mit Peter-Pan-Syndrom geizen nicht mit ihrem Egoismus und ihrer ausgeprägten Form der Selbstverliebtheit. Da stellt sich schnell die Frage, ob du in einer solchen ich-fixierten Welt überhaupt Platz hast.

6. Chauvinismus

Auch diskriminierende oder sexistische Bemerkungen sind Beispiele für eines der Hauptmerkmale. Unreife Männer tun gerne mal verächtliche Äußerungen jenseits des guten Geschmacks kund. Gehört dein Gegenüber zu jener Sorte Mann, der dieses Verhaltensmuster verinnerlicht hat, dann schick ihn gerne zurück nach Nimmerland. Ein solches Gebaren ziemt sich nicht für einen potentiellen Partner.

Tipps für den richtigen Umgang von Männern mit dem Peter-Pan-Syndrom

Sie merken unmittelbar, dass Ihr Kontakt in seinem Verhalten sehr stark der Hauptfigur aus Barries Kinderbuch ähnelt. Wir verraten, wie Sie sich im Umgang mit dem Peter-Pan-Syndrom am besten schlagen.

1. Zieh Grenzen

Er ist chronisch unpünktlich, versetzt dich oder sagt spontan ab – das ist natürlich ärgerlich. Mach schnell deutlich, was du von Unzuverlässigkeit und mangelnder Disziplin hältst und wo deine Toleranzgrenze liegt. Mach nicht alle Spielchen mit, die Betroffene des Peter-Pan-Syndroms mit dir treiben wollen. Für eine Verabredung bzw. eine Partnerschaft sollte er auch den nötigen Ernst und eine grundlegende Zuverlässigkeit mitbringen.

2. Sprich alles offen an

Hier sind Offenheit und Transparenz gefragt. Nur wenn du ehrlich ansprichst, was für dich eine Herausforderung darstellt, besteht eine Chance auf Veränderung. Mach dabei den ersten Schritt, denn Männer, die in ihrer Kindheit stecken geblieben sind, sind Meister der Verdrängung, und Offenheit zählt nicht zu ihren Stärken.

3. Mach klar, was du von einer Beziehung erwartest

Die Kind Gebliebenen der Männerwelt sind zwar schnell für eine Partnerschaft zu haben, doch ihr Drang nach Abwechslung und Freiheit ist oft größer. Keine gute Basis für ein glückliches Paarleben. Mach klar, was du von einem Partner erwartest und welche Werte dir in einer Beziehung wichtig sind.

4. Hüte dich vor Co-Abhängigkeit

Bedenke, dass das Kind im Manne immer am besten funktioniert, wenn auch die entsprechende Mutterrolle vorhanden ist. Wenn du versuchst diese Position zu besetzen, wird er diese Co-Abhängigkeit schnell für seine eigenen Zwecke ausnutzen wollen. Mach dieser Art von kindischen Männern klar, wer du bist und welche Rolle du wirklich einnehmen willst.

Ist eine Beziehung mit einem Mann mit Peter-Pan-Syndrom überhaupt möglich?

Nicht jeder, der eines oder mehrere der bereits beschriebenen Symptome aufweist, ist ein narzisstischer Vollblut-Macho, der nur auf die eigenen Interessen bedacht ist. Es gibt auch Männer, die ihre Charakterzüge kennen und sich ändern wollen. Finde heraus, ob dein Gegenüber sich seines Verhaltens bewusst ist und ob er dazu bereit ist, endlich aus dieser Schublade herauszukommen.

Will der Betroffene an sich arbeiten, dann gib ihm die Chance, das ungezähmte innere Kind in den Griff zu bekommen. Verharrt er jedoch in seinem Syndrom, solltest du den Kontakt besser abbrechen.

Fazit: Peter-Pan-Syndrom – Fluch oder Segen?

Auf kurze Sicht versprechen kindische Männer jede Menge Spaß. Für eine längere oder innige Bindung ist jedoch sehr viel Arbeit notwendig. Die Aussichten für eine harmonische Partnerschaft sind eher gering. Es kann durchaus eine Bereicherung sein, wenn der Mann gelegentlich mal seinen Tagträumen nachgeht, nicht immer alles ganz so ernst nimmt und sein inneres Kind auf die Spielwiese schickt. Dabei geht es aber auch darum, dass er sich selbst im Griff hat, niemanden manipuliert und immer wieder in der Realität landet.

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