Narzisst: Wenn er sich selbst mehr liebt als den Partner

Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ gehört zum Kanon der Weltliteratur und zeigt die zerstörerischen Strukturen eines Narzissten auf. Heutzutage leben wir in einer zunehmend narzisstisch orientierten Gesellschaft, die sozialen Medien bieten jedem die Plattform, sich zu inszenieren und darzustellen.

Aber was, wenn Sie in einer von Narzissmus geprägten Beziehung leben? Wie erkennen Sie, ob Sie mit einem wie Oscar Wildes‘ Protagonisten zusammen sind, und wie werden Sie den Narzissten wieder los? Hier erfahren Sie die wichtigsten Fakten.

Inhalt:

Der Narzisst: Was zeichnet ihn aus?

Narzissmus ist ein Teil unserer Persönlichkeit, nur ist sie bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt. Das heißt aber nicht, dass jeder von uns ein Narzisst ist. Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung sind meist überdurchschnittlich intelligent und können sich sehr gut präsentieren und verkaufen. Sie sind bestrebt Macht zu erlangen, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Folgende drei Eigenschaften werden ihnen nachgesagt:

  • Überheblichkeit
  • Sucht nach Bestätigung
  • mangelnde Empathie

Niemand wird als Narzisst geboren. Eltern geben bewusst oder unbewusst ihrem Kind mit etwas Besonderes zu sein. Das ist per se nicht verwerflich, wird jedoch oft das narzisstische Defizit der Eltern kompensiert. Daraus folgt, dass sich das Kind verlassen fühlt und sich zunehmend mit dem Bild identifiziert, das andere von ihm haben wollen. Ein Mensch mit dieser Persönlichkeitsstörung ist also nicht wirklich mit sich selbst in Kontakt, sondern nur mit der Vorstellung, wie er sein soll. Diese Vorstellung paart sich mit einer ausgeprägten Selbstverliebtheit und dem Verlangen nach Bewunderung. Ein weiteres wesentliches Merkmal ist seine übermäßige Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen. Mit Ablehnung kommt er schwer bis gar nicht klar. Ihm fehlt es an Einfühlungsvermögen und er entwertet seine Mitmenschen.

Narzisstischer Partner? 4 Anzeichen, die dafürsprechen

Ob Sie sich in einer Partnerschaft mit einem Beziehungszerstörer befinden, zeigt sich meist erst nach längerer Zeit. Zu Beginn der Beziehung wird Sie Ihr neuer Partner mit Aufmerksamkeit, Versprechen und Komplimenten für Sie überschütten. Sie haben den Eindruck, Ihren Seelenverwandten gefunden zu haben. Ein Narzisst versteht es hervorragend, sich von seiner besten Seite zu präsentieren.

Nach der anfänglichen Verliebtheit zeigt er jedoch schnell sein wahres Gesicht. Die allmählich immer präsenter werdende selbstbezogene Haltung des Partners kann für die gesamte Beziehung viel Leid bedeuten. Wie bereits weiter oben angedeutet, sprechen bestimmte Kriterien und damit verbundene Anzeichen dafür, dass Narzissmus in Ihrer Beziehung herrscht:

  • Egomanie: Gespräche drehen sich nur um ihn; Probleme oder Gefühle anderer nimmt der dominante Mann bzw. die dominante Frau nicht wahr.
  • Empfindlichkeit: Der Narzisst verträgt meist keine Kritik und fühlt sich schnell gekränkt.
  • Empathiemangel: Mitgefühl kennt er nicht, seine Gefühle stehen an erster Stelle.
  • Entwertung: Damit er weiterhin im Mittelpunkt steht, scheut er auch nicht davor zurück, den Partner niederzumachen beziehungsweise zu entwerten.

Ein narzisstischer Partner wird Sie also nicht als eigenständiges Individuum ansehen, sondern als Erweiterung seiner Selbst. Der egoistische ich-bezogene Part in der Beziehung braucht Bestätigung. Erwartet Ihr Partner von Ihnen, dass Sie ihm immer wieder sagen, wie toll, intelligent oder attraktiv er ist? Ihre Bedürfnisse werden heruntergeschraubt, Sie werden emotional erpresst und Sie stehen immer an zweiter Stelle? Wenn Sie nichts zurückbekommen, sondern nur geben und dafür auch noch herabgestuft werden, dann sollten Sie misstrauisch werden.

Aufgepasst: Spätestens wenn sich dieser Frust und diese Enttäuschung breitmacht, sollten Sie die Reißleine ziehen. Lassen Sie sich von dieser Strategie nicht blenden, sondern erkennen Sie seine destruktive Kraft.

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Typische Aussagen des Narzissten in Beziehungen

Betrachtet man die eben genannten Eigenschaften und Anzeichen, ist es nicht verwunderlich, dass solch ein Typ Mensch oft mit schüchternen Männer oder Frauen zusammen sind, die ein eher schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl haben. Menschen, die sich anpassen und unterordnen. Der ich-bezogene Partner ist gut darin, die Schwachstellen seines Gegenübers auszuloten. Und das nutzt er eiskalt für sich aus und verletzt den Partner verbal. Diese sogenannten „Mikrogewalten“ sind ein Missbrauch, wie auch körperliche Gewalt. Herabwürdigungen geschehen oft in Gegenwart von Dritten, der Narzisst hat gerne Publikum.

Nie verstehst du, was ich meine.
Stets versucht er sich als den Intelligenteren in der Beziehung darzustellen. Er genießt es, den Partner kleinzuhalten und ihm Unwissenheit zu unterstellen.

Du kannst mal wieder mehr Sport treiben.
Sind Sie gerade etwas unzufrieden mit Ihrem Körpergewicht, wird ein Narzisst Ihnen das unter die Nase reiben. Das macht er ganz direkt oder aber indirekt zwischen den Zeilen.

Du kannst nichts richtig machen.
Egal was Sie tun oder nicht – recht machen können Sie es ihm nie. Putzen Sie zum Beispiel die Wohnung, haben Sie entweder einen Putzfimmel oder Sie machen es zu schlampig. Der Egomane wird immer etwas finden, um Ihnen das Gefühl zu geben, nichts wert zu sein oder alles falsch zu machen.

So werden Sie ihn wieder los

Schützen Sie sich selbst, indem Sie Grenzen setzen. Bis hierhin und nicht weiter. Wehren Sie sich gegen das verletzende Verhalten des Narzissten. Ihm wird es nicht gefallen, wenn Sie Kontra geben. Doch wenn Sie sich auf Dauer alles gefallen lassen, werden Sie irgendwann selbst glauben, dass sie nichts gut können oder weniger wert sind als andere. Das darf auf keinen Fall passieren! Belastet Sie die Beziehung mehr, als dass sie Sie glücklich macht, ist es Zeit loszulassen. Sich aus einer solchen Partnerschaft zu lösen ist leichter gesagt als getan. Hier finden Sie Tipps, wie Sie es schaffen, die selbstbezogene Person endgültig loszuwerden:

  1. Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein
    Stehen Sie zu sich, mit all Ihren Stärken und Schwächen. Sind Sie psychisch stabil, dann können Ihnen die Angriffe des Narzissten nichts mehr anhaben.
  2. Erstellen Sie eine Checkliste mit Ihren Anforderungen
    Definieren Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse klar für sich selbst. Wenn Sie wissen, was Sie in einer Partnerschaft wollen und was nicht, schaffen Sie es leichter, sich aus einer kranken Beziehung zu befreien.
  3. Lassen Sie sich vom Narzisst nicht blenden
    Wenn Sie am Anfang Ihrer Beziehung glauben, alles sei zu schön, um wahr zu sein, dann ist das meistens auch so.
  4. Tschüss narzisstischer Partner: Holen Sie sich professionelle Hilfe
    Suchen Sie die Fehler nicht ausschließlich bei sich. Machen Sie sich klar, dass sie meist nicht beziehungsfähig sind. Schaffen Sie es nicht alleine, sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis zu befreien, dann nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch.

Kommt es dann endlich zu einer Trennung, verläuft diese in der Regel meist dramatisch. Er will sich schnell aus der Beziehung lösen – vergleichbar mit einem Mingle – und ein rasches Ende ohne viele Diskussionen. Dabei wird er auf Ihre Gefühle keine Rücksicht nehmen. Wird jedoch der Betroffene von seinem Partner verlassen, wird er dies als Niederlage und Kränkung empfinden. Schlimmstenfalls schlagen diese Gefühle in Wut um, und der Verlassene versucht sich an Ihnen zu rächen. Davon sollten Sie sich keinesfalls abschrecken lassen.

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Fazit: Lassen Sie sich nicht von einem Narzisst vereinnahmen

Auch wenn sich oft unsichere Persönlichkeiten mit einem selbstsüchtigen Partner zusammentun, können sich durchaus stabile Persönlichkeiten von einem Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung blenden lassen. Machen Sie sich klar, dass Sie keine Schuld trifft. Die meisten Menschen rutschen im Laufe der Beziehung in eine emotionale Abhängigkeit, aus der es sehr schwerfällt, sich zu befreien. Narzissten sind empathielose Egomanen, die sich für den Mittelpunkt des Universums halten. Ihnen in einer Paarbeziehung auf Augenhöhe begegnen zu wollen ist nahezu aussichtslos. Es führt zu Frust und Kränkung. Auf Dauer ist es für niemanden gesund, sich einer anderen Person unterzuordnen. Sind Sie unglücklich, dann versuchen Sie Schluss zu machen.

Schaffen Sie es nicht, sich aus der emotionalen Abhängigkeit zu befreien, zögern Sie nicht und holen sich professionelle Hilfe. Wie immer greift auch in einer von Narzissmus geprägten Beziehung: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Mit etwas Abstand können Sie auch Lehren aus solch einer Zeit ziehen. Was haben Sie über sich gelernt und welchen Reifeprozess haben Sie durchgemacht? Jede gescheiterte Beziehung bietet auch die Chance zum Wachsen.

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