Altersunterschied in der Beziehung: Wie groß darf der Abstand sein?

Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones trennt ein Altersunterschied von 25 Jahren, Emmanuel Macron ist 25 Jahre jünger als seine Frau Brigitte, Franz Müntefering wiederum 40 Jahre älter als seine Michelle – die Liebe kennt kein Alter und lässt sich nicht von einem Geburtsdatum beeinflussen, wie diese prominenten Beispiele zeigen.

Hat ein Partner einen deutlichen Altersvorsprung gegenüber dem anderen, herrschen viele Vorurteile. Sie können vom Mutter- oder auch Vaterkomplex über Midlife-Crisis bis hin zu Geldgier reichen. Doch wie wirkt sich ein unterschiedliches Alter wirklich auf die Beziehung aus?

Inhalt

Vorurteile gegen Paare mit einem großen Altersunterschied

Beziehungen mit einem großen Altersunterschied haben oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Diese lauten oft: Verliebt sich eine Frau in einen älteren, vermögenden Mann, sind es angeblich die wirtschaftliche Sicherheit und der Erfolg, die sie locken. Ist sie mit einem jüngeren Mann zusammen, wird er lediglich als ihr Toyboy wahrgenommen. Gleichzeitig werden ihr mit dem Älterwerden Probleme vorgeworfen. Umkehrt: Verliebt sich ein Mann in eine deutlich jüngere Frau, dichtet man ihm Jugendwahn an, verliert er sein Herz an eine ältere, wird ihm ein Mutterkomplex unterstellt.

Hört man von einem großen Altersunterschied zwischen Mann und Frau, beginnt schnell das Schubladendenken und Klischees wie Jugendwahn, Midlife-Crisis, Ödipus-Komplex oder Geldgier drängen sich in unsere Köpfe. Denn: Bis heute sind Beziehungen, in denen die Partner zehn, zwanzig oder dreißig Jahre voneinander trennen, eher die Ausnahme als die Regel.

Psychologie, Statistik, Studien über den Altersunterschied in Beziehungen

Aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass die durchschnittliche Altersdifferenz bei deutschen Paaren bei rund vier Jahren liegt. Dabei ist in 73 Prozent der Fälle der Mann älter als die Frau.

Lediglich acht Prozent der Männer und Frauen trennt ein Alter von mehr als zehn Jahren.

Denn während es früher normal war, dass der Mann als Versorger der Familie älter war als die schwangere Frau, findet die Partnerwahl heute auf Augenhöhe statt.

Vor allem die gesellschaftliche Rollenverteilung zwischen Mann und Frau hat sich verändert. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das klassische Prinzip vorherrschend, vom arbeitenden Mann und der Frau, die zu Hause blieb und die Kinder erzog. Zwar hat in dieser Hinsicht noch keine Revolution stattgefunden, aber inzwischen sind die Väter wesentlich mehr in die Erziehung mit eingebunden und nehmen auch Elternzeit. Gleichzeitig sind 60 Prozent der Mütter nach dem ersten Lebensjahr des Kindes wieder berufstätig.

Ein Altersunterschied bei Paaren von dreißig Jahren kann daher in der heutigen Zeit schon zu unterschiedlichen Auffassungen der Geschlechterrollen führen.

Ein großer Altersunterschied in einer Beziehung wird auch seitens der Psychologie kritisch bewertet. Häufig werden viele Komplexe und wenig echte Liebe hinter solchen Beziehungen vermutet, außerdem fehle die gemeinsame Vergangenheit. Studien der Michigan State University und der Emory University in Atlanta mit 3.000 Probanden haben dazu herausgefunden: Je größer der Altersabstand zwischen Mann und Frau, desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine Trennung.

Eine Altersdifferenz von unter zehn Jahren gilt als unproblematisch

Generell heißt es, dass alles unter zehn Jahren im grünen Bereich sei. „Ein Altersunterschied von bis zu fünf, auch sechs, sieben Jahren macht im Allgemeinen keinerlei Probleme, egal, ob der Mann oder die Frau älter ist“, bestätigt auch die Hamburger Paarpsychologin Brigitte Spannuth. Denn je näher die beiden Partner altersmäßig beieinander sind, desto mehr übereinstimmende Erfahrungen gibt es. Sie haben zum Beispiel:

  • eine ähnliche Musik als Jugendlicher gehört
  • zu einer ähnlichen Zeit ihre Ausbildung gemacht oder studiert
  • einen Freundeskreis im ähnlichen Alter
  • ähnliche Vorstellungen von der Familienplanung

Bei einem Altersunterschied von mehr als zehn Jahren sind die Partner laut Psychologie mit unterschiedlichen Denkmustern, Trends und Lebensmotiven aufgewachsen. Das kann eine Bereicherung sein oder aber auch zu Spannungen führen, je nachdem, wie die Paare damit umgehen.

Herausforderung eines großen Altersunterschieds

Denn im Laufe einer Beziehung können beide Partner unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen. Vor allem bei einem großen Altersunterschied zwischen Mann und Frau kann dies problematisch sein. Während jahrelang eine perfekte Harmonie herrschte, scheint plötzlich nichts mehr zu passen.

Die persönlichen Entwicklungsphasen können sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden und polarisierend gegenüberstehen. Zum Beispiel:

  • Kinderwunsch vs. abgeschlossene Kinderplanung
  • gute, jugendliche Fitness vs. altersbedingte Gebrechen/Einschränkungen
  • aktives Partyleben vs. ausgeprägtes Ruhebedürfnis
  • bestehendes Arbeitsverhältnis vs. Renteneintritt

Oft ist den Paaren zunächst gar nicht bewusst, dass sie sich auseinanderentwickeln. Doch: „So ein unmerkliches Auseinanderdriften der Partner führt zu Enttäuschungen und Stress für beide. Schuldgefühle und tiefgreifende Auseinandersetzungen sind die Folge, Bitterkeit und Enttäuschung stellen sich ein. Die Situation macht Außenbeziehungen wahrscheinlicher“, warnt Spannuth. Oft ist es dann der jüngere Partner, der die Partnerschaft beendet, um sein Glück bei jemand anderem zu finden.

Vorzüge eines großen Altersunterschieds zwischen Mann und Frau

Doch natürlich gibt es auch Vorteile, von denen eine Partnerschaft mit einer großen Altersspanne profitieren kann. So ist die Weisheit des Älteren ein Ansporn und eine Bereicherung für den Jüngeren. Die Aktivität und Lebendigkeit in jungen Jahren wiederum beugt der Altersträgheit vor. Die eigene Perspektive wird durch die Perspektive des Partners mit der anderen Lebensphase erweitert, bereichert und herausgefordert. Dies beugt Eintönigkeit und Bequemlichkeit vor und kann dafür sorgen, dass sich beide Partner immer wieder bewusst füreinander entscheiden und sich für die Beziehung einsetzen. Je länger Paare mit einem großen Altersunterschied zusammen sind, desto mehr können die Differenzen zwischen ihnen verschwimmen und schließlich nicht mehr wahrgenommen werden.

Beispiel 1: Wenn der Mann älter ist

Dass der Mann älter ist als die Frau, ist bis heute der Klassiker bei Paaren, die unterschiedlich alt sind. Solche Beziehungen sind oft von dem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit geprägt und der lebenserfahrene Mann tritt als Beschützer der jüngeren Frau auf. Er zeigt ihr die Welt und ist sexuell erfahrener, fühlt sich aber gleichzeitig durch ihre Gegenwart jung geblieben. Beide Seiten bereichern einander und der Altersunterschied kann, muss aber keine Rolle spielen.

Herausforderung: Je älter ein Mann wird, desto mehr fürchtet er sich vor nachlassender Leistungsfähigkeit. Er hat seinen beruflichen Höhepunkt erreicht, muss sich vielleicht anstrengen, sich weiterhin darin zu behaupten. Er will nicht mehr so viel zu zweit unternehmen, vielleicht nimmt auch sein sexuelles Interesse ab. Er ist schneller müde und braucht mehr Ruhe. Und auch sie verändert sich. „Sie entdeckt ihr eigenes, von ihm nicht dirigiertes und gelenktes Leben, ihre eigene Stärke, ihre Persönlichkeit. Sie fühlt sich von ihm eingeengt, weil er diese Entwicklung bei ihr als Bedrohung und Zurückweisung erlebt. Sie wacht immer mehr auf, entdeckt sich mit all ihrer Lebenslust und will neue Erfahrungen machen“, erklärt Spannuth. Schnell können sich hier zwei Lebensmotive diametral gegenüberstehen.

 Beispiel 2: Wenn die Frau älter ist

Für einige Männer übt eine ältere Frau einen besonderen Reiz aus. Sie ist sexuell erfahrener und offener, was für den experimentierfreudigen, jüngeren Mann, der sich auf dem Höhepunkt seiner Potenz befindet, sehr attraktiv sein kann. Auch ist er unter Umständen stolz darauf, eine ältere gestandene Frau erobert zu haben und die männliche Konkurrenz in ihrer eigenen Altersklasse ausgestochen zu haben. Er behandelt sie mit besonderem Respekt und blickt zu ihr auf.

Zudem ist es vor allem im hohen Alter für die Frau von Vorteil, wenn sie in der Beziehung älter ist. Da Frauen im Durchschnitt bis zu acht Jahre älter werden als Männer, überdauern sie häufig ihre Partner und sind im hohen Alter allein. Ist der Mann jünger, stehen die Chancen besser, dass beide gemeinsam alt werden können.

Herausforderung: Ist die Frau in der Partnerschaft älter, kämpft sie oft mit der Angst vor dem Verlassenwerden und fürchtet die Konkurrenz jüngerer Frauen. Dies kann zu krankhafter Eifersucht führen und Stress, Streit und Diskussionen auslösen. Auch kann es schwierig werden, wenn sie einen Kinderwunsch hegt, den ihr wesentlich jüngerer Partner (noch) nicht erfüllen möchte. Die Zeit spielt in diesem Fall gegen die Liebe.

Fazit: Ein Altersunterschied in der Liebe bedeutet Bereicherung und Belastung zugleich

Das Alterskriterium kann eine Beziehung vor besondere Herausforderungen stellen. Die Andersartigkeit der Liebenden kann zum einen belebend und bereichernd sein – vor allem in sexueller Hinsicht profitiert der jüngere Partner von der Erfahrenheit des älteren – zum anderen aber auch für Spannungen sorgen. Während gleichaltrige Partner generationsbedingt ähnliche Denkmuster und Lebenserfahrungen haben, müssen Paare, die mehr als zehn Jahre voneinander trennen, bewusst daran arbeiten, unterschiedliche Entwicklungsphasen zu überbrücken und auszugleichen. Nachteile entstehen vor allem dann, wenn der ältere Partner geistig und körperlich nachlässt. Am kritischsten ist der Punkt Familienplanung, denn oft sind hier kaum Kompromisse möglich. Dennoch: Die Liebe kümmert sich nicht um Statistiken. Letztendlich kommt es auf das gefühlte Alter an, das sich auf Ihr ganz persönliches Liebesglück auswirkt. Wichtig ist in jedem Fall, dass man über Spannungen und Beziehungsprobleme offen spricht – egal, wie groß der Altersunterschied ist.

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