Fremdgehen: Wie du in 4 Schritten mit einem Treuebruch umgehst

10.09.2018 Holger Weißmann

Es ist ein Prüfstein für jede Partnerschaft: das Fremdgehen. Es kann viele Gründe geben, die einen in der Partnerschaft dazu führen: mangelnde Anerkennung, sexueller Frust, die Flucht vor Beziehungsproblemen oder einfach eine gerade passende Gelegenheit. Wir gehen den Fragen nach, welche Bedeutung das Fremdgehen in der Partnerschaft hat, was das überhaupt ist, ob es immer so weit kommen muss und wie du damit umgehst.

Inhalt:

Wann Fremdgehen beginnt – von Blickkontakt bis One-Night-Stand

Es muss nicht immer gleich ein sexueller Fehltritt sein. Oftmals wird der Gedanke an Untreue schon als Ausrutscher gewertet. Und das ist gar nicht so selten:

Laut einer Parship-Studie werten 44 Prozent der Frauen es als Fremdgehen, wenn der Partner beim Sex an andere denkt. Bei Männern beträgt dies immerhin noch 32 Prozent.

Der Treuebruch kann aber auch schon früher beginnen. 12 Prozent der Frauen stufen bereits den Blickkontakt des Partners mit einer anderen Person als eine Form des Fremdgehens ein.

Beim Fremdflirten gehen die Meinungen noch etwas auseinander

Während lediglich jeder dritte Mann in Flirt-Gesprächen, Schäkern und Berührungen das Vertrauensverhältnis gefährdet sieht, fühlen sich fast die Hälfte der Frauen dabei von ihrem Partner bereits betrogen.

Seitensprung auf Platz 1

An oberster Stelle sind bei 94 Prozent der Befragten unverbindliche Liebeleien mit einer anderen Frau beziehungsweise einem anderen Mann ausschlaggebend: während rund 40 Prozent der Befragten einen One-Night-Stand noch verzeihen könnten, ist eine parallele Partnerschaft oder eine längerfristige, sexuelle Affäre ein klarer Beziehungskiller.

Fremdgehen: Gründe für Männer und Frauen

Hast du es darauf angelegt oder bist du eher Opfer der Umstände geworden? Manche lassen sich absichtlich auf eine Liaison ein, andere geraten eher unbewusst in eine Fremdgeh-Situation. Die Gründe dafür sind oft vielschichtiger gelagert. Wir wollen dir einige Punkte aufzählen, was Männer und Frauen zum Treuebruch veranlasst.

1. Der unbewusste Flirt

Ein Blick, eine versehentliche Berührung oder ein charmantes Kompliment, das dir völlig unbewusst über die Lippen kommt. Es gibt Situationen, in denen du einem Flirt verfällst, ohne dass du dies überhaupt beabsichtigt hast oder gar merkst. Es erfordert oft ein sensibleres Gespür für das Deuten von Körpersprache beim Flirt. Was für dich ein bedeutungsloses Schäkern oder angeregtes Gespräch ist, kann von deinem Gegenüber schnell als Aufforderung zum Fremdgehen oder für Außenstehende als Fehltritt interpretiert werden. Dieser Meinung sind immerhin 36 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen.

2. Die unkontrollierte Affäre führt zum Fremdgehen

Wie gut hast du dich im Griff, wenn du Alkohol getrunken hast? Partys laden häufig zum begleiteten Kontrollverlust ein, der schon mal in einem One-Night-Stand enden kann. Unter Alkoholeinfluss fühlst du dich natürlich lockerer und enthemmter und denkst vielleicht auch nicht sofort über die Konsequenzen deiner Handlungen nach. Dennoch obliegt es immer noch dem Partner, der hintergangen wurde, ob er dir diesen Ausrutscher verzeiht, auch wenn du ihm versicherst, dass dieses Fremdgehen keine Bedeutung hatte.

3. Langeweile im Beziehungsalltag

Irgendwann ist das Kribbeln im Bauch weg, die Schmetterlinge sind verflogen und die Verliebtheit ist den routinierten Gewohnheiten gewichen. Der Alltag wird nicht selten zum Beziehungskiller. Weil die Prioritäten sich verlagern, ist häufig ein Mangel an Aufmerksamkeit die Folge. Eine daraus resultierende Sexflaute oder nachlassendes sexuelles Interesse verführt gerne mal zum Seitensprung.

4. Gefrustet vom Beziehungsstress

Fremdgehen ist aber auch oft der Versuch, den Problemen der Partnerschaft zu entfliehen. Gerade nach der Geburt eines Kindes wird die Beziehung oft auf die Probe gestellt. Die Bedürfnisse der Männer müssen den Bedürfnissen des Nachwuchses weichen. Es entsteht leicht sexueller Frust, der wieder abgebaut werden will. Doch das unmoralische sexuelle Abenteuer kann auch eine Realitätsflucht vor weiteren Problemen sein – ob familiärer, finanzieller oder beruflicher Art.

5. Fremdgehen, um den Marktwert zu testen

Das Ego will gefüttert werden. Und das Bedürfnis nach Bestätigung wird mit Fremdgeh-Aktionen gerne kompensiert. Gerade wenn in der Partnerschaft die gegenseitige Wertschätzung auf der Strecke bleibt, bist du hierfür besonders anfällig. Dein Selbstwert spielt hier eine große Rolle. Wenn du an deiner eigenen Attraktivität zweifelst, ist die Gefahr höher, dass aus einem Flirt ein Seitensprung wird.

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Fremdgegangen was nun?

Wie solltest du dich verhalten, wenn du untreu warst? Was solltest du dagegen unternehmen, wenn du derjenige bist, der betrogen worden ist? Wir möchten dir einige Vor- und Nachteile über das Beichten und Verzeihen aufzeigen.

Sollest du das Fremdgehen beichten?

Vertrauen ist die Basis einer jeden Partnerschaft. Offenheit und Ehrlichkeit spielen dabei eine große Rolle. Je nachdem um welchen Grad des Fremdgehens es sich handelt, musst du mit den entsprechenden Konsequenzen leben. Dabei hängt es davon ab, wie du selbst deinen Fehltritt einstufst. War es ein einmaliger Ausrutscher? Oder ist deine Beziehung schon länger ernsthaft gefährdet? Sollte aus einem Seitensprung eine dauerhafte Geschichte werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass dein Partner den Schlussstrich zieht. Bist du aber überzeugt, dass dein Ausrutscher einmalig war, gilt es das Vertrauensverhältnis wiederherzustellen, indem du bei deinem Geständnis klare Gründe für das Fremdgehen anführst.

Wichtig: Hinterfrage, warum du dich in diese Situation gebracht hast. Eine Beichte mit einer nachvollziehbaren Begründung kann helfen, die Partnerschaft wieder zu verbessern. Erst wenn dein Partner deine Wünsche und Bedürfnisse kennt, kann er darauf eingehen.

Sollst du das Fremdgehen verzeihen?

Du hast soeben erfahren, dass dich dein Partner betrogen hat und sollst nun dem Übeltäter auch noch verzeihen? Als Opfer einer Fremdgeh-Aktion liegt es natürlich auch in deinem Ermessen, ob du die Ehrlichkeit bereits als ersten Schritt zu einer Verbesserung des Vertrauensverhältnisses wertest.

„Immerhin sind bei einem One-Night-Stand noch 32 Prozent der Befragten gnädig mit dem Täter und sind bereit, das Thema Fremdgehen zu überwinden.“

Lediglich 12 Prozent könnten die Beichte einer parallelen Partnerschaft akzeptieren. Und gerade mal noch 10 Prozent der Befragten würden eine längerfristige, sexuelle Affäre verkraften. Die Frage ist, ob der Täter überhaupt Einsicht und Reue zeigt.

Beachte: Bevor du den Schritt wagst und die Beziehung beendest, solltest du dir Gedanken machen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Haben sich behebbare Beziehungskiller eingeschlichen? Oder will dein Partner womöglich der Partnerschaft und letztlich sogar dir entfliehen? Bedenke, dass es zwar jeder Zehnte bereits als Untreue ansieht, wenn der Partner jemand anderem heiße Blicke zuwirft, aber nur ein Prozent würde sich deswegen auch trennen.

Wie du das Fremdgehen verarbeitest?

Wenn du gerade erfahren hast, dass du hintergangen worden bist, kann es dir schnell den Boden unter den Füßen wegziehen. Doch bevor du sich zu überstürzten Reaktionen oder Kurzschlusshandlungen hinreißen lässt, möchten wir dir vier Wege aufzeigen, wie du eine durchdachte Entscheidung für dich und die Partnerschaft treffen kannst.

1. Denk zuerst an dich

Auch wenn dein Partner nach einem Geständnis auf Knien bettelnd die Absolution für sich einfordert, solltest du erst einmal an dich denken. Fremdgehen verarbeiten heißt auch, alle infrage kommenden Möglichkeiten durchzuspielen – dafür braucht es Abstand. Lass dich also nicht bedrängen, sondern nimm dir Zeit für dich. Nutze die Möglichkeit, bei Freunden, Bekannten und Verwandten unterzukommen. Außenstehende Gesprächspartner können dir helfen, die Situation zu reflektieren und zu verstehen.

2. Versuche, die Beziehung zu retten

Wenn du beschlossen hast, das Fremdgehen zu verzeihen, mach Verbesserungsvorschläge, wie du die Beziehung rettest. Oftmals hilft es schon, mehr Zeit zu zweit für sich einzufordern. Rede über deine Probleme und formuliere deine Wünsche und Bedürfnisse. Auch der Gang zu einer Paarberatung kann viel bewirken.

3. Mach eine Beziehungspause

Manchmal ist auch eine Trennung auf Zeit notwendig. Eine Beziehungspause kann die nötige Distanz schaffen, einen neuen Blick auf die Partnerschaft und die Bedeutung des Fremdgehens zu bekommen. Aus einem gesunden Abstand heraus lässt sich dann die Frage leichter beantworten, ob ihr gemeinsam neu starten könnt oder ob ihr euch für getrennte Wege entscheidet.

4. Fremdgegangen? Es gibt einen klaren Trennungsgrund für dich

Laut Parship-Statistik ist knapp ein Drittel der Befragten noch bereit, einen One-Night-Stand zu verzeihen. Mach aber nicht alles mit, wenn du betrogen worden bist. Parallele Partnerschaften sind bei 88 Prozent der Befragten und längerfristige, sexuelle Affären bei 90 Prozent immer noch der Haupttrennungsgrund. Wenn es für dich einen eindeutigen Grund zur Trennung gibt, dann solltest du auch einen klaren Schlussstrich ziehen, um nach vorne blicken zu können.

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Fazit: Versuch das Fremdgehen erst zu deuten bevor du handelst

Nicht für jeden hat es die gleiche Bedeutung. Ab wann der Treuebruch beginnt und wie man damit umgeht, ist jeweils aus der Sicht der betroffenen Person zu sehen. So können Fremdgeher durchaus ihre nachvollziehbaren Gründe haben, warum sie fremdgehen, und sei es nur in Gedanken. Auch die Opfer von Fremdgehern sollten erst einmal herausfinden, wie es dazu kommen konnte, bevor sie den Laufpass erteilen. Gib dir und deinem Partner die Chance, das Fremdgehen zu verarbeiten. Ist die Partnerschaft nicht zu retten, dann ist eine Trennung die richtige Konsequenz. Dieser Schritt ist zwar häufig sehr schmerzhaft, aber nur so kannst du dir selbst einen Neustart und die Aussicht auf eine neue und bessere Beziehung nach der Trennung ermöglichen.

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