Mingle statt Single: Geht eine Partnerschaft unverbindlich gut?

Stundenlange Gespräche über Gott und die Welt, gemeinsame Ausflüge und leidenschaftlicher Sex – diese Anzeichen deuten auf eine feste Beziehung hin oder? Nicht für einen Mingle! Denn der lässt sich zwar zunächst gerne auf eine Person ein, vor tieferen Gefühlen und Bindungen schreckt er jedoch zurück. Doch was genau bedeutet das Phänomen? Kann eine Beziehung mit einem Mingle funktionieren? Erfahren Sie im folgenden Text mehr über den neuen Beziehungstrend.

Inhalt:

Die Definition: Was ist ein Mingle?

Von „Mingles“ haben Sie zwar schon gehört, doch die genaue Definition für den Begriff Mingle ist Ihnen nicht geläufig? Das ist nicht ungewöhnlich, denn hier handelt es sich um einen Beziehungstrend, für den es erst seit 2014 einen eigenen Namen gibt. Geprägt wurden der Begriff wie die konkrete Definition des Mingles von Peter Wippermann. Der Trendforscher hat beobachtet, dass sich das Phänomen der klassischen Bindungsangst mittlerweile zum festen Bestandteil unserer Gesellschaft entwickelt hat. Sich auf eine Person festlegen und sich öffentlich zu ihr zu bekennen – für immer mehr Menschen scheint das einfach undenkbar.

Halb Single, halb Beziehung

Zu viel Nähe sowie der Gedanke an eine langfristige Bindung sind dem Mingle ein Graus. Die Folge: eine sich ausbreitende Unverbindlichkeit, die sich auf Beziehungen auswirkt. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „mixed“ und „single“ zusammen und beschreibt eine Mischung aus Single Verhalten und Beziehung. Dabei geht es jedoch um mehr als um unverbindlichen Sex nach dem ersten Date unter Freunden, die sich gut verstehen, wie bei der sogenannten „Freundschaft Plus“. In der Situation „halb Single, halb Beziehung“ können betroffene durchaus im alltäglichen Privatleben wie ein Paar auftreten. Doch offen dazu stehen? Das kommt nicht in Frage. Das „Sich-nicht-festlegen-wollen“ und die (theoretisch) beidseitige Akzeptanz dieser Unverbindlichkeit bildet quasi den Kern einer Mingle-Beziehung.

Diese Gründe machen Singles zu Mingles

Mingles leiden unter Bindungsangst

Geht man dieser Frage auf den Grund, stößt man in den meisten Fällen auf das komplizierte Themengebiet der Bindungsangst. Gründe dafür gibt es viele: schlechte Erfahrungen in der Kindheit oder mit vorherigen Lebensgefährten sind nur einige davon. Das Resultat ist jedoch immer dasselbe: Die Vorstellung, einen Partner zu finden und sich langfristig an ihn zu binden, erscheint dem Mingle als einengend und unangenehm. Im Gegensatz dazu steht das Phänomen der Trennungsangst, bei dem der Betroffene abhängig vom Partner ist und nicht allein sein kann.

Mingles ist kein Partner gut genug

Zum Teil liegt das auch an der steigenden Optimierungstendenz in unserer Gesellschaft. Die Welt wird globaler, die Begrenzungen verschwinden und die Möglichkeiten scheinen schier unendlich. Jeder möchte sich selbst verwirklichen, den besten Job ausüben, die beste Beziehung führen. Dabei wird weiter Ausschau gehalten, denn nichts ist gut genug. Möglicherweise wartet ja irgendwo der ideale Traumpartner, der noch viel besser passt.

Mingle aus Angst vor Zurückweisung

Oft steckt hinter einer Mingle-Beziehung gar kein Einvernehmen, sondern schlicht mangelndes Selbstbewusstsein und Unsicherheit der Partner. Hat man Angst, den anderen mit direkten Fragen zu konfrontieren, weil man eine Zurückweisung fürchtet, wird es niemals zu dem entscheidenden Gespräch kommen. Denn heutzutage ist eine feste Beziehung nicht einfach mit einem Kuss oder Sex besiegelt. Die genauen Verhältnisse müssen oft erst geklärt werden: Ist man nun ein Paar, handelt es sich um „Freundschaft Plus“ oder doch halb Single, halb Beziehung?

Single vs. Mingle: Das beste aus beiden Welten

Sie haben ein Verhältnis mit einem Mingle begonnen, fühlen sich aber selbst nicht als solcher? Dennoch können Sie Vorteile aus dieser Beziehung ziehen. Wollen Sie sich in der aktuellen Situation in Ihrem Leben gerade selbst verwirklichen und ihren Lebensfokus auf Ihre Karriere legen, ist ein Leben nach Mingle-Regeln ideal. Denn bei diesem Arrangement geht es nicht darum, stets füreinander da zu sein und eine langfristige glückliche Beziehung einzugehen. Ein Umzug aus Karrieregründen? Gar kein Problem! Zu viel Arbeit, um sich öfter als ein bis zweimal die Woche zu melden oder zu sehen? Überhaupt kein Drama! Vielmehr picken Sie sich die Rosinen einer Beziehung heraus: Sie haben jemanden zum Kuscheln, für einsame Stunden oder für ein romantisches Wochenende – und zwar dann, wenn beide Zeit haben. Und in der Zwischenzeit? Sind sie offen für alles und müssen bei Ihrer Zeiteinteilung auf niemanden Rücksicht nehmen.

Funktioniert die Beziehung mit einem Mingle wirklich?

Doch bei allen Vorteilen gibt es entscheidende Mingle-Regeln, durch die eine solche Beziehung erst funktionieren kann. Zum einen muss Ihnen klar sein, was sie von dieser Beziehung zu erwarten haben: Denn der Traum vom ständigen „Ich liebe dich“ sagen und Romantik à la Hollywood wird es nicht werden. Auch sollten Sie nicht die unterschwellige Hoffnung hegen, dass sich der andere doch noch für etwas festes entscheidet. Denn letztendlich leiden sowohl Mingle als auch Partner, wenn sie sich auf etwas einlassen, dass nicht ihrem Naturell entspricht.

Mit diesen Mingle-Regeln funktioniert die Partnerschaft

  • Seien Sie sich immer im Klaren, dass Sie nicht in einer festen Partnerschaft sind
  • Verliebt sein ist tabu! Daher: Keine zu romantischen Pärchen-Sachen unternehmen
  • Aber: Die Gefühle des anderen nicht absichtlich oder ohne nachzudenken verletzen

Das sind die Vor- und Nachteile einer Mingle-Beziehung

Sind Sie sich im Klaren darüber, was einen Mingle ausmacht, und entscheiden Sie sich bewusst für diese Form der Beziehung, wägen Sie die nachfolgenden Vor- und Nachteile gut ab.

Vorteile für Mingles

Natürlich locken zunächst Unabhängigkeit und Offenheit für Neues. Der Erfüllung der eigens gesetzten Karriereziele steht somit nichts im Weg. Und auch, wenn Sie im anderen nicht das große Liebesglück gefunden haben, müssen Sie keine Nächte voller Einsamkeit verbringen, sondern können diese mit einer anderen Person gemeinsam gestalten. Und halten sich dennoch die Möglichkeit offen, jemand Neues kennenzulernen, der besser zu ihnen passt.

Natürlich könnte man auch argumentieren, der Mingle solle einfach eine Partnerschaft eingehen. Schließlich kann man die Beziehung immer noch beenden, wenn einem unerwartet der Traumpartner begegnet. Allerdings unterscheidet sich der Typus halb Single, halb Beziehung von einer konventionellen Partnerschaft, dass im Fall einer Trennung niemand verletzt wird oder am Boden zerstört ist. Schließlich verbindet zwei Mingles im Idealfall keine tieferen Gefühle, sondern eine freundschaftliche Wertschätzung.

Nachteile für Mingles

Doch es sind genau diese Vorteile, die auch die Nachteile bergen. Denn auch, wenn sich Mingles beinahe so verhalten, als steckten sie in einer festen Partnerschaft – letzten Endes führen sie eben doch keine Beziehung. Und das bedeutet: Sie haben keinerlei Sicherheit in der Dauer der Beziehung, keinen Partner, der für Sie da ist, wenn es Ihnen einmal schlecht geht oder eine Konstante im Leben, mit der Sie planen können.

Vorteile vs. Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Unabhängigkeit letztendlich keine feste Beziehung
körperliche Nähe kein Austausch über Gefühle
gemeinsame Unternehmungen keine langfristige Planung möglich
jederzeit Offenheit für etwas Neues permanent drohende Trennung

 

Fazit: Mingle oder Single – eine Typfrage

Als Resultat unserer heutigen Gesellschaft, in der Bindungsangst mittlerweile als normal angesehen wird, stellt sich das Phänomen „halb Single, halb Beziehung“ dar. Die Ökonomie der Partnerwahl, die Angst jemanden einzuengen und der Wunsch nach Ungebundenheit – all diese Gründe haben dazu geführt, dass Beziehung nicht mehr gleich Beziehung ist. Mittlerweile gibt es eine Bandbreite an Beziehungsformen, für die sich ein Mensch entscheiden muss.

Überlegen Sie sich gut, ob Sie für eine Beziehung mit all ihren Mingle-Regeln und der komplizierten Definition eines Mingles geschaffen sind, oder ob Sie sich lieber für ein Leben als Single entscheiden. Denn letztendlich ist es eine Frage des Typs. Fühlen Sie sich dazu in der Lage, tiefe Gefühle völlig außen vor zu lassen und eine rein oberflächliche Beziehung zu führen, aus der jeder seinen Nutzen zieht? Oder sind Sie auf der kompromisslosen Suche nach einer langfristigen Beziehung, in der zwei Partner sich mit Herz und Seele dafür entscheiden, einen Großteil ihres Lebens gemeinsam zu verbringen? Single oder doch lieber Mingle – diese Entscheidung können am Ende nur Sie alleine treffen.

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