Beziehungsunfähig: Gründe & Tipps Ihr Bindungsverhalten zu ändern

Als beziehungsunfähig bezeichnet die Alltagspsychologie Menschen, die sich zwar einen Partner wünschen, aber nicht in der Lage sind, dauerhaft eine Beziehung aufrechtzuerhalten. Der Begriff zielt vorwiegend auf Personen mit wechselnden Beziehungen ab und schließt Unerfahrene eher aus.

Inhalt:

Was steckt hinter dem Stigma, dass in der heutigen Zeit sogar eine ganze Generation als bindungsunfähig bezeichnet wird? Wir wollen Ihnen zeigen, welche Thesen bei diesem Phänomen zugrunde liegen, erläutern Ihnen einige Anzeichen beziehungsunfähiger Männer und Frauen und geben Ihnen Tipps, wie Sie mit ersten Schritten den Weg in die richtige Richtung einschlagen.

Generation beziehungsunfähig? Mythos und Wahrheit zugleich

Warum spielt dieses Thema für uns heute eine so große Rolle? Wir wollen dem Thema auf den Grund gehen. In den gängigen populärwissenschaftlichen Ansätzen wird der Begriff aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Autor Michael Nast („Generation Beziehungsunfähig“) spricht hier von „einem Massenphänomen der individualisierten Gesellschaft. In ihrem Buch „Intimität, Sexualität, Beziehungsunfähigkeit“ liefert Autorin Sandra Quafoku Erklärungsversuche für Menschen, die nicht beziehungsfähig sind, über den gesellschaftlichen Wertewandel des Tabu-Themas.

Der soziokulturelle Diskurs kennt verschiedene Facetten, von denen wir drei genauer beleuchten wollen.

Der Wandel der Geschlechterrollen

Die deutsche Journalistin Nina Pauer hatte das Phänomen noch ganz den Männern zugeschrieben, die sich dank ihrer Bindungsstörung zu einem sogenannten „Byronic Hero“ stilisieren. Beziehungsunfähige Männer sollen das Symptom als Ausrede benutzen, wenn klar wird, dass die Komplexität der eigenen Psyche zu viel Raum einnimmt, um sich nur einer Partnerschaft zu widmen.

Die zunehmende Bedeutung und Präsenz des Themas in der heutigen Gesellschaft führen manche Autorinnen und Autoren daher sogar verstärkt auf den Rollenwandel der Geschlechter zurück. Promiskuität, Bindungsstörungen und Freiheitsdrang sind nicht mehr allein „Männersache“. Beziehungsunfähige Frauen sind längst auf dem Vormarsch. Die Autorin Nicole Maibaum vertritt in ihrem Buch „Am liebsten Geliebte. Glücklich ohne Ehering“ den Ansatz, dass insbesondere Frauen eine hohe Bereitschaft zeigen, eine Beziehung zu beenden, wenn sie diese nicht mehr zufriedenstellend empfinden.

Narzissmus und Selbstoptimierung

Autoren wie Gerhard Brandl gehen eher von einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen aus. Er führt das Phänomen beziehungsunfähig auf einen zunehmenden Narzissmus zurück. Die Liebe wird dem Ego-Trip unterworfen, was zur Folge hat, dass dem Partner dabei wenig Beachtung geschenkt wird. Um das Selbstwertgefühl von außen zu stärken, werden Beziehungen dabei oft in Abhängigkeiten gedrängt. Da der Partner jedoch versucht zu fliehen, sobald er narzisstische Muster erkennt, versuchen beziehungsunfähige Menschen dem entgegen zu wirken. Die Folge sind häufig wechselnde On-Off-Beziehungen.

Aber auch Selbstoptimierer haben es nicht leicht, wie Beziehungscoach Eric Hegmann festgestellt hat. Für diese ist Liebe das höchste Glück, das man allerdings nur bekommt, wenn man hart an sich arbeitet.

Der Verfall von Traditionen

Andere wie Bernd Kambeck machen den Verfall von Traditionen für dieses Phänomen verantwortlich. Die Stabilität von Partnerschaften sei demnach primär eine Frage individueller sozialer Kompetenz geworden. Diese führe laut Kambeck zu dem massenhaften „Versagen“ in Bezug auf das Beziehungsverhalten.

5 Ursachen für Beziehungsunfähigkeit

Wir schildern Ihnen fünf Ursachen und die passenden Symptone, an denen Sie merken, ob sich Ihr potentieller Partner als beziehungsunfähig entpuppen könnte.

1. Angst vor der Liebe und Liebeskummer

Beziehungsunfähige leiden häufig unter Bindungsangst, die oft schon in schlechten Kindheitserfahrungen begründet liegen. Der Verlust eines Elternteils durch Tod oder Scheidung kann eine solche Störung herrufen. Aus der Befürchtung heraus, den Verlust und diese Verletzung nicht noch einmal durchleben zu wollen, entwickeln diese Personen häufig eine Abwehrhaltung. Bei Männern dominiert die Angst sich zu verlieben. Beziehungsunfähige Männer ziehen sich zurück und gehen keine feste Bindung ein, weil sie die negativen Erfahrungen bereits im Vorfeld von sich abwenden wollen. Frauen, die nicht beziehungsfähig sind, leiden dagegen unter Trennungsschmerz. In der Phase des Liebeskummers, versuchen Sie um jeden Preis eine Trennung zu verhindern. Das zeigt sich beim Kennenlernen zum Beispiel im Klammern und dem Versuch ständig den Kontakt aufrechtzuhalten.

2. Ich-bezogen und Verlust des Selbstwertes

In einer Studie von der Universität Buffalo fanden Forscher unter der Leitung von Emily Grijalva heraus, dass Männer in puncto Anspruchs- und Autoritätsdenken eindeutig egoistischere Züge tragen als Frauen, was sich vor allem im Berufsleben bemerkbar macht. Die Ich-Bezogenheit und Eitelkeit ist jedoch auf beide Geschlechter zurückzuführen. Ein Ego-Trip kann also sowohl bei Frauen wie bei Männern zu beziehungsunfähigen Verhaltensweisen führen. Diese Charakterzüge münden häufig in einer Kompromisslosigkeit, damit der eigene Selbstwert keinen Schaden nimmt. Das Ergebnis sind Kontrollzwänge und Verlustängste, die sich perspektivisch destruktiv auf eine Partnerschaft auswirken.

3. Karrierefokus und Angst vor Selbstaufgabe

Gerade beim Kinderwunsch wird ein Fass an Verbindlichkeiten aufgemacht, das beziehungsunfähigen Menschen oft ein Dorn im Auge ist. Männer mit einem ausgeprägten Karrierefokus tendieren schneller dazu von einer Beziehung in die nächste zu flüchten, damit ihre beruflichen Ziele nicht von einer Kinder- oder Familienplanung gefährdet werden. Aber auch Frauen enden in negativen Verhaltensmustern, wenn sie auf der Suche nach dem Partner sind, der genau ihren Zielen und Vorstellungen von Beruf und Familie entspricht. Das Gefühl von Selbstaufgabe führt bei beiden Geschlechtern dazu, dass sie keine gleichwertige Partnerschaft eingehen können.

4. Alterswahrnehmung und Gefühl, etwas zu verpassen

Die Angst, etwas zu verpassen, macht sich in jungen Jahren bei beiden Geschlechtern gleichermaßen verstärkt breit. Hier haben Neugier und sexuelle Experimentierfreudigkeit Oberhand über die Partnerwahl. Bindungsunfähige suchen sich unverbindliche Zwischenmodelle wie Freundschaft Plus. Sie wollen sich nicht festlegen, weil sie sich selbst noch in der Findungsphase befinden oder auch einfach ihre Freiheit als glücklicher Single genießen. Das Gefühl, jung geblieben zu sein und die unaufhörliche Suche nach Bestätigung halten jedoch häufig Menschen noch im fortgeschrittenen Alter davon ab, sich einer Beziehung zu verpflichten und endgültig zu binden.

5. Zu verkopft und mangelndes Vertrauen

Aber auch eine zu engstirnige Einstellung tragen dazu bei beziehungsunfähig zu werden. Ein Gedankenchaos kann einengen. Wenn Sie keine klaren Vorstellungen an einen Partner haben oder nur rationale Kriterien betrachten, herrscht ein Mangel an emotionaler Beteiligung. Hier sind Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen. Oft ist mangelndes Urvertrauen der Grund dafür, keine glückliche Beziehung eingehen zu wollen.

5 Schritte, um die Beziehungsunfähigkeit zu heilen

Wir geben Ihnen fünf Strategien an die Hand, wie Sie Ihre Beziehungskompetenz wieder in den Griff bekommen und Ihre Erfolgsaussichten auf eine feste Partnerschaft erhöhen.

1. Starten Sie entspannt

Ein erster Schritt zur Therapie eines beziehungsunfähigen Musters kann im Loslassen liegen. Lassen Sie die Vergangenheit hinter sich, lassen Sie sich auch nicht von Ihrer perfekt durchdachten Lebensplanung stressen und seien Sie möglichst unvoreingenommen. Suchen Sie z.B. mit Hilfe von Meditation oder dem Austausch mit Freunden nach Möglichkeiten, die Ihnen zu einem entspannten Start verhelfen. Dadurch schaffen Sie eine gute Ausgangslage, um eine feste Beziehung einzugehen.

2. Finden Sie Ihre innere Balance

Bauen Sie eine gute Beziehung zu sich selbst auf. Dies kann ein weiterer wichtiger Schritt sein, die eigene Beziehungsunfähigkeit zu heilen. Erkennen Sie Ihren Selbstwert, dann sind Sie auch in der Lage, die innere Balance herzustellen und eine gesunde Beziehung zu anderen aufzubauen. Gegebenenfalls müssen Sie aber auch lernen, sich selbst zurückzunehmen, um sich binden zu können. Nur so können Sie ein gesundes Bindungsverhalten herstellen, das ausreichend Nähe und Distanz gewährt.

3. Ändern Sie die Kriterien Ihrer Partnerwahl

Kennen Sie das Gefühl, dass Sie immer an die falschen Männer geraten oder bei der Partnerwahl immer auf dasselbe Beuteschema hereinfallen? Dann sollten Sie Ihre Kriterien, die offenbar dazu beitragen beziehungsunfähig zu sein, überdenken. Erweitern Sie Ihren Fokus und ändern Sie Ihre Anforderungen bei der Partnersuche. Fokussieren Sie sich darauf, welche Vorstellungen Sie von Ihrem Partner und der Liebe haben.

4. Kontaktaufnahme starten

Keine Zeit, zu viele Freunde, viel zu viel Arbeit – trifft das auch auf Sie zu? Dann haben Sie sicher ein enormes Repertoire an Ausreden, warum Sie keine neue Kontakte knüpfen können. Fakt ist, wenn Sie nicht aus Ihrer Komfortzone heraustreten, wird sich in Ihrem Leben auch nichts ändern. Seien Sie mutig und wagen Sie den ersten Schritt aus Ihrem beziehungsunfähigen Dasein. Sei es über einer Partnervermittlung wie Parship oder Single-Veranstaltungen in Ihrer Umgebung. Merken Sie sich das Sprichwort: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

5. Eric Hegmann: „Haben Sie Spaß bei der Partnersuche!“

Beim letzten Tipp gilt das Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung. Sie ziehen das an, was Sie ausstrahlen. Wenn Sie Probleme und Ängste vor sich herschieben, dann ziehen Sie auch alles an, was diese negativen Punkte schürt. Beziehungsexperte Eric Hegmann rät Männern und Frauen zu einer positiven und optimistischen Einstellung bei der Partnersuche. Dies gilt vor allem für nicht beziehungsfähige Menschen, um aus ihren gewohnten Mustern auszubrechen.

Fazit: Wirken Sie dem Bindungsproblem proaktiv entgegen

Sie fragen sich: Warum bin ich Single und nicht fähig eine Beziehung zu führen? Daran lässt sich etwas ändern. Beziehungsunfähige Singles haben jahrelang aus verschiedenen Gründen ihre Bindungsprobleme gehegt und gepflegt. Die Angst vor Verlust, eine verschobene Alterswahrnehmung, der berufliche Fokus und fehlendes Selbstvertrauen sind gute Beispiele dafür. Wenn Sie die oben genannten Tipps aktiv angehen und umsetzen, können Sie aus diesem Hamsterrad ausbrechen. Bleiben Sie dabei optimistisch, schalten Sie Ihr Bauchgefühl an und seien Sie mit Freunde dabei. So helfen Sie Ihrem Beziehungsglück auf die Sprünge.

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