Woran erkennt man eigentlich, dass es Liebe ist? Was für Anzeichen gibt es, um sicher zu sein, wirklich zu lieben? Wir haben die wichtigsten Anhaltspunkte zusammengestellt.
Eigentlich stehen Sie ja auf 1,90-Männer, Ihr Partner ist jedoch sogar ein Stückchen kleiner als Sie. Sie begeistern sich für Olympiaden, Bundesliga und WM - Ihre Liebste zieht aber ein Buch jeder "Sportschau" vor. "Wenn die erste Verliebtheit verflogen ist, lassen sich Defizite des Partners nicht mehr ausblenden", weiß PARSHIP-Psychologin Sabine Wery v. Limont. "Entscheidend ist dann: Können Sie mit den Macken so umgehen, dass Ihnen nichts fehlt?" Wenn ja, ist das ein hervorragendes Indiz für Liebe. Den 100-Prozent-Menschen, der komplett Ihren Vorstellungen entspricht, gibt es sowieso nicht.
Natürlich müssen Sie als Liebespaar nicht alles im Doppelpack angehen. "Ein Wochenendpaar, das jeden Tag telefoniert, kann auch sehr große Verbundenheit leben", sagt Sabine Wery v. Limont. Sie brauchen keine besonderen Ereignisse, Ausgeh-Abende und Urlaube, um zu zweit glücklich und zufrieden zu sein - auch wenn das gelegentlich gewiss das Salz in der Suppe ist. Es wärmt Ihr Herz, nach Hause zu kommen in eine Wohnung, in der sie schon ist und Sie erwartet. Oder dass er beim Einkaufen an Ihren Lieblingsaufschnitt gedacht hat.
Was sich liebt, das neckt sich - dieses Motto gilt speziell für Frischverliebte. "Im Laufe einer Beziehung verulkt man sich seltener", weiß die PARSHIP-Expertin. "Wenn mal eine echte Steilvorlage kommt, darf man die natürlich nutzen", ergänzt sie und lacht, "aber entscheidend ist, dass das Paar auf gleicher Augenhöhe ist und es nicht zur Dauerbeschäftigung wird, den anderen fertig zu machen." Zum respektvollen Umgang gehört auch, dem Partner nicht vor anderen die Leviten zu lesen, nicht nur die eigenen Interessen durchzusetzen - und an seinen Geburtstag zu denken.
Am Anfang Ihrer Beziehung waren Sie voller Energie, konnten sich nächtelang unterhalten, ohne dass Ihnen am nächsten Tag der Schlaf gefehlt hätte. Mitunter traf Sie aber auch die Angst wie ein Keulenschlag: Mag er mich nicht mehr? Wenn eine Beziehung reift, werden solche emotionalen Achterbahnfahrten viel seltener. Stattdessen erfüllt Liebende "ein latentes Wohlgefühl", so die PARSHIP-Psychologin. Natürlich nicht in jedem Augenblick, aber doch als Grundstimmung. Liebe macht souveräner und stabiler. Auch Kritik von anderen schmerzt nicht mehr so sehr, wenn Sie darauf vertrauen, dass eine(r) Sie auf jeden Fall großartig findet.
In der Verliebtheitsphase werden Punkte gesammelt. Viele präsentieren eine optimierte Version ihrer selbst: ein bisschen sportlicher, einen Tick modischer, ein wenig klüger - oder verbergen zumindest Wissenslücken beim gemeinsamen Wer-wird-Millionär-Gucken geschickt ... In einer gefestigten Beziehung beschäftigt Sie das nicht mehr rund um die Uhr. Sie stecken wieder mehr Energie in andere Bereiche Ihres Lebens. Im Vertrauen darauf, dass Ihr Verhältnis das zulässt und der andere Sie nicht gleich verlassen wird, nur weil Sie statt raffiniertester Outfits auch mal simple Baumwollunterwäsche oder Ihre Wohlfühlhose tragen.
Ob es der TV-Konsum ist oder die Angewohnheit, die Straßenschuhe erst im Wohnzimmer auszuziehen (und dann dort stehen zu lassen) - vielleicht haben Sie auch die eine oder andere kleine Angewohnheit, die Ihren Partner sichtlich stört. Sie müssen sich nicht umkrempeln lassen, so viel steht fest. Aber: "Es spricht für die Tiefe Ihrer Gefühle, wenn Sie ehrlich bereit sind, sich in dem einen oder anderen Punkt zu ändern, Ihre Gewohnheiten zumindest mal kritisch zu überdenken", sagt Sabine Wery v. Limont. Das gilt natürlich auch umgekehrt - Ihre Beziehung kann für Sie beide ein wertvoller Impuls sein, sich weiterzuentwickeln.
Wer liebt und an Gegenliebe glauben darf, wird oft insgesamt wagemutiger. Gesteht sich zum Beispiel ein, dass er schon lange von einem neuen Job träumt, und schickt Bewerbungen los. Oder er probiert neue Sportarten aus. Liegt nicht noch ein fast abgelaufener Gutschein für einen Fallschirmsprung in der Schublade? Mit dem/der Liebsten an seiner Seite kann man im wahrsten Sinne des Wortes über seinen Schatten springen. Und sich auch große, vormals vielleicht beängstigende Gemeinschaftsprojekte - eine Wohnung kaufen, Nachwuchs bekommen, zusammen alt und grau werden - plötzlich gut vorstellen.
Annemarie Lüning/PARSHIP
Sie haben ein tolles Gespräch geführt und waren so souverän, dass Sie dem Gesprächspartner auch einen Spargelschäler mit Hamsterantrieb hätten verkaufen können. Nun heißt es Nägel mit Köpfen machen! Wenn Sie Ihren Gesprächspartner gerne besser kennen lernen möchten, ist ein Treffen angesagt. Am einfachsten ist es natürlich, wenn der andere fragt. Ansonsten können Sie den Vorschlag zu einer Verabredung elegant einflechten ("Du magst gerne Eisbären. Dann lass uns doch nächste Woche in den Zoo gehen ..."). Oder Sie fragen einfach, wenn das Gespräch langsam zu einem Ende kommt. Das einzig Wichtige ist: Haben Sie keine Angst! Der andere wird froh sein, dass Sie gefragt haben. Und sollte er sich auf die eine oder andere Art zieren - geben Sie ihm die Chance, sich bei Ihnen zu melden.
Jürg Willi: Psychologie der Liebe. Persönliche Entwicklung durch Partnerbeziehungen. Rowohlt 2004, 9,90 EUR
Birgit Dechmann und Christiane Ryffel: Vom Ende zum Anfang der Liebe. Beltz 2001, 18,90 EUR